TSG 62/09 Weinheim - TSV Amicitia Viernheim 3:0 (2:0)

TSG 62/09 Weinheim – TSV Amicitia Viernheim 3:0 (2:0)

Wenig Klasse und absolut null Emotionen

Weinheim, den 08.April 2017,

Originaltext aus dem Weinheimer Nachrichten vom 10. April 2017

Drei schöne Dinge gab es: ideales Frühlingswetter, ein Comeback nach fast einjähriger Verletzungspause und ein akzeptables Resultat aus Sicht der Gastgeber. Viel mehr Positives hatte das Derby in der Fußball-Verbandsliga zwischen der TSG 62/09 Weinheim und dem TSV Amicitia Viernheim am Samstag indes nicht zu bieten. In einem extrem emotionslosen Nachbarschaftsduell gewann der Favorit aus Weinheim standesgemäß mit 3:0 (2:0). Das Niveau der Begegnung bewegte sich in sehr überschaubarem Rahmen – wie die nicht gerade üppige Derby-Kulisse von 160 Zuschauern im Sepp-Herberger-Stadion.

„Das war ein Dr…spiel“, entfuhr es denn auch TSG-Trainer Dirk Jörns nach dem Abpfiff. Und Viernheims Trainer Steffen Usler hatte auch nicht viel Erhellendes beizutragen: „Die bessere Mannschaft hat verdient gewonnen.“ Die auf einem direkten Abstiegsplatz stehenden Gäste hatten sich wohl schon im Vorfeld wenig ausgerechnet und schenkten die Punkte nahezu ohne Gegenwehr ab. Die TSG tat wiederum nur das Nötigste, um dennoch ungefährdet drei Punkte einzufahren. Die insgesamt recht leblose Vorstellung eignete sich jedenfalls nicht für Rückschlüsse, in welcher Form sich der Tabellenzweite vor dem Gipfeltreffen am kommenden Samstag beim Spitzenreiter Fortuna Heddesheim tatsächlich befindet.

Allerdings waren die Viernheimer auch kein Prüfstein. Mit dem ersten nennenswerten Angriff der Partie stellte Weinheim gleich die Weichen. Cihad Ilhan erkämpfte sich den Ball gegen den oft behäbig wirkenden Viernheimer Verteidiger Clement Glässer und hebelte mit einem einfachen Pass in die Spitze die komplette Abwehr der Gäste aus. Andreas Adamek hatte freie Bahn und legte den Ball überlegt an Torhüter Steven Stattmüller vorbei zum 1:0 ins Netz (7.). Einer weiteren TSG-Chance von Ilhan (14.) folgte der schönste Spielzug der gesamten Partie. Mit direkter Passfolge verdammten Marcel Schwöbel und Adamek die Viernheimer Defensive zum Zuschauen, Adameks kerniger Abschluss landete jedoch an der Latte (22.). Einen 25-Meter-Freistoß von Adamek brachte Schlussmann Stattmüller erst im Nachfassen unter Kontrolle (25.).

Kurz vor der Pause fiel das überfällige 2:0: Schwöbel nahm einen Freistoß von Oliver Malchow auf und legte den Ball ins Zentrum. Nils Makan ließ mit einer simplen Täuschung noch zwei Viernheimer Abwehrspieler ins Leere grätschen und hämmerte den Ball aus 14 Metern unter die Latte. Von der Unterkante sprang der Ball hinter die Torlinie und es stand 2:0 (41.). Ein Standard in der zweiten Halbzeit brachte die endgültige Entscheidung. Nach einer Ecke von Adamek köpfte TSG-Innenverteidiger Patrick Geissinger zum 3:0 ein (57.). Das war es aber auch schon, die Partie schlief fortan komplett ein. Bis auf zwei „Halbchancen“ ereignete sich bis zum Schlusspfiff rein gar nichts mehr.

Glück und Unglück bei der TSG

Da waren die Randnotizen bedeutend interessanter. Der glücklichste Spieler auf dem Platz war Lukas Cambeis. Er wurde in der 81. Minute eingewechselt und feierte nach zehnmonatiger Verletzungspause aufgrund eines Knorpelschadens sein Comeback. Sein letztes Spiel für die TSG hatte Cambeis in der Oberliga-Relegation im Juni 2016 gegen Rielasingen bestritten. „Ich bin seit zwei Wochen wieder im Training und habe natürlich noch Rückstand. Aber die zehn Minuten gegen Viernheim waren für mich sehr wichtig“, strahlte Cambeis, der zudem Gerüchte aus Viernheim zerstreute, wo er beim TSV Amicitia aktuell interimsweise die zweite Mannschaft in der A-Klasse trainiert. „Ich werde das noch einmal am Osterwochenende tun, danach ist Schluss, da die Belastung durch Training und Spiele bei der TSG zu groß wird. Und dass ich eventuell in der kommenden Saison in Viernheim als Zweitmannschaftstrainer zur Verfügung stehen würde, war für mich nie eine Option. Ich habe für nächste Saison ja einen Vertrag bei Fortuna Heddesheim.“

Die TSG 62/09 hatte am Samstag aber auch einen Unglücksraben. Chris Hiller verletzte sich bereits in der 30. Minute bei einem Zweikampf im Viernheimer Strafraum am Sprunggelenk, humpelte anschließend und wurde zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgewechselt. „Ich hoffe natürlich, dass ich gegen Heddesheim wieder spielen kann, wir müssen mal abwarten“, sagte Hiller. Ein Ausfall des Kapitäns im Topspiel gegen Heddesheim wäre für die Weinheimer fatal.

Derweil steht fest, dass aus dem aktuellen 18-Mann-Verbandsliga-Kader der TSG 62/09 nur drei Spieler in Weinheim bleiben werden. Nach den Feldspielern Kai Engel und Kajally Njie hat auch Ersatztorhüter Nico Umscheid seine Zusage für die Saison 2017/18 gegeben. Alle drei Spieler nahmen bislang nur die Rolle des Ergänzungsspielers ein.

TSG 62/09 Weinheim: Lentz; Süß (61. Meier-Küster), Geissinger, Gebhardt, Schwöbel, Malchow, Engel (81. Cambeis), Makan, Adamek (72. Matthes), Hiller (54. Zimmermann), Ilhan