Fortuna Heddesheim - TSG 62/09 Weinheim 0:1 (0:0)

Fortuna Heddesheim – TSG 62/09 Weinheim 0:1 (0:0)

Adamek bringt TSG auf Meisterkurs

Heddesheim, den 15. April 2017

Originaltext aus dem Weinheimer Nachrichten vom 18. April 2017

Heddesheim. Es ist per Definition eine der größten Chancen in einem Fußballspiel: Elfmeter für die TSG 62/09 Weinheim im Verbandsliga-Spitzenspiel beim FV Fortuna Heddesheim. Keine leichte Verantwortung übernimmt TSG-Torjäger Cihad Ilhan, der selbst wenige Sekunden zuvor von Fortuna-Verteidiger Boubacar Siby zu Fall gebracht worden war. Ilhan läuft in der 80. Minute beim Stand von 0:0 zum Strafstoß an – sein Schuss könnte eine Vorentscheidung im Titelkampf herbeiführen. Der Weinheimer, in der kommenden Saison in Heddesheimer Diensten, will den Ball von ihm aus gesehen neben den rechten Pfosten ins Tor setzen – halbhoch. Fortuna-Torhüter Daniel Tsiflidis ahnt die Ecke, fliegt und pariert zum wiederholten Male in dieser Saison einen Elfmeter.

„Spiegelverkehrter Robben“

Die Gastgeber reißen jubelnd die Arme in die Höhe, scheinen das Schlimmste abgewendet zu haben. Doch die Euphorie schadet ihrer Konzentration. Der Ball bleibt im Spiel und die Männer im TSG-Trikot sind es, die nachsetzen, statt mit dem Schicksal zu hadern. Andreas Adamek wird im Sechzehner angespielt, hat zu viel Platz und macht wieder einmal den „spiegelverkehrten Robben“. Von links kommend zieht er mit dem rechten Fuß nach innen, hat freie Bahn und fackelt nicht lange. Sein platzierter 14-Meter-Flachschuss visiert die rechte Torecke an – und diesmal ist Tsiflidis machtlos. Nur 20 Sekunden nach dem vergebenen Elfmeter steht es doch 0:1. Weinheim gewinnt das mit Spannung erwartete Gipfeltreffen und löst damit Heddesheim wieder als Spitzenreiter ab.

Rekordkulisse in Heddesheim

Der entscheidende Treffer und seine Vorgeschichte gehören zur aufregendsten Phase des Spitzenspiels, in dem Tabellenerster und -zweiter aufeinandertreffen. Zwischen der 79. und 84. Minute ereignen sich mit zwei weiteren guten TSG-Chancen die prickelndsten Szenen eines Duells, das über weite Phasen die hohen Erwartungen nicht erfüllen kann. Vor der Rekordkulisse von rund 750 Zuschauern, darunter 610 zahlende, ist das Geschehen auf dem Heddesheimer Hauptrasenplatz doch von großem gegenseitigen Respekt geprägt.

Das gilt vor allem für die Heimmannschaft. Bei den Fortunen ist zu keinem Zeitpunkt erkennbar, dass sie dieses Spiel unbedingt gewinnen wollen – bloß nicht verlieren, scheint das mitgegebene Motto zu sein. Und so kommt Heddesheim im gesamten Spiel auch nur zu zwei nennenswerten Offensivaktionen. Einmal entschärft TSG-Torhüter Marcel Lentz einen 25-Meter-Freistoß von Egzon Abdullahu – der einzige Schuss der Partie, der auf den Weinheimer Kasten kommt (42.). Und in der zweiten Halbzeit rutscht Nelson Nsowah am langen Pfosten knapp an einer Flanke von Patrick Marschlich vorbei (70.). Mehr Torgefahr strahlen die Fortunen nicht aus. Zu wenig, um den Platz als Sieger verlassen zu können. Im Sturmzentrum ist Angriffsspitze Thorsten Kniehl, der erneut für zwei Jahre in Heddesheim verlängert hat, total abgemeldet und macht nicht einen Stich.

Die Gäste geben den Ton an

Anders sieht das bei der TSG aus, obwohl mit dem von einer schmerzhaften Achillessehnenreizung geplagten Chris Hiller ein offensiver Schlüsselspieler zunächst nur auf der Bank Platz nimmt. Die Gäste sind von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft, haben nicht nur mehr Ballbesitz, sondern suchen auch zielstrebiger den Weg in Richtung gegnerisches Tor. So gibt es schon in der Anfangsphase die ersten Möglichkeiten. Nach einem Freistoß von Thomas Süß und Faustabwehr von FV-Schlussmann Tsiflidis blockt Fortuna-Verteidiger Eduard Hartmann einen Distanzschuss von TSG-Kapitän Marcel Schwöbel gerade noch zur Ecke (5.). Deren Hereingabe sorgt erneut für Gefahr, als Yannick Wöppel am kurzen Pfosten klären muss (6.). Und dann segelt der mit aufgerückte TSG-Innenverteidiger Timo Gebhardt nur knapp an einer Freistoßvorlage von Adamek vorbei (14.).

Danach beruhigt sich die Partie, ehe für Heddesheim der erste Rückschlag folgt. Yannick Tewelde verletzt sich bei einem Zweikampf und muss mit Verdacht auf einen Innenbandschaden früh durch Egzon Abdullahu ersetzt werden (21.). Mit Ausnahme eines nicht geglückten Fallrückzieherversuchs von Ilhan (27.) kommt erst kurz vor dem Seitenwechsel wieder mehr Tempo ins Spiel. Abwehrchef Patrick Geissinger sorgt in der TSG-Hintermannschaft mit einem leichtsinnigen Fehlpass für eine Schrecksekunde, als sich Kniehl aber nicht durchsetzen kann (39.). Auf der Gegenseite ist ein Distanzschuss von Ilhan zu hoch angesetzt (41.). Und der bereits erwähnte Freistoß von Abdullahu wird eine Beute von TSG-Torwart Lentz (42.).

Den besseren Start in die zweite Halbzeit verzeichnet wieder Weinheim. Mit einem langen Pass leitet Süß auf der rechten Seite die erste Chance ein, die Flanke von Jonas Meier-Küster findet Ilhan, dessen Schuss Tsiflidis aber vor keine Probleme stellt (47.). Auch bei einem Fernschuss von Oliver Malchow ist Tsiflidis auf dem Posten (64.).

Chris Hiller bringt Schwung

Zu einer Schlüsselszene wird die Einwechslung von Chris Hiller (69.). Er belebt zum einen das Offensivspiel der TSG 62/09 und sorgt zum anderen dafür, dass Heddesheim keinerlei Initiative nach vorne entwickeln will und nur noch auf Torsicherung bedacht ist. Erstmals brennt es in der 79. Minute im Fortuna-Strafraum. Nach einer Ecke von Meier-Küster und Kopfballverlängerung von Hiller kommt Ilhan aus kurzer Distanz an den Ball. Tsiflidis und der am Pfosten stehende Abdullahu verhindern hier gemeinsam noch einen Gegentreffer. Nur eine Minute späte geht Siby an der eigenen Torauslinie unnötig heftig in den Zweikampf mit Ilhan – der Elfmeter, die turbulenten Sekunden danach und das Tor zum 0:1 durch Adamek folgen.

In der 84. Minute kann Nils Makan den Sack zumachen. Adamek erobert den Ball und bedient Meier-Küster auf der rechten Seite, dessen Rückpass Makan in eine gute Position bringt. Sein Schuss von der Strafraumkante steigt jedoch in den grauverhangenen Himmel. Auf der Gegenseite bemüht sich Heddesheim zwar noch einmal, den Schalter umzulegen, aber es ist zu spät.

In der fünften Minute der Nachspielzeit bekommen die Fortunen noch einen Eckball, zu dem sogar Torwart Tsiflidis nach vorne eilt. Doch eine Chance zum Ausgleich springt nicht mehr heraus.

Die an diesem Tag bessere, taktisch reifere und siegeshungrigere Mannschaft hat das Spiel gewonnen. Die TSG weist nun zwei Punkte Vorsprung gegenüber Heddesheim auf und hat im Vergleich zu den Fortunen das eindeutig leichtere Restprogramm.

TSG 62/09 Weinheim: Lentz; Süß, Geissinger, Gebhardt, Schwöbel, Malchow, Engel (69. Hiller), Makan (90.+3 Matthes), Meier-Küster, Adamek (90. Zimmermann), Ilhan (81. Lerchl).

Stimmen

Dirk Jörns, Trainer TSG 62/09 Weinheim: Wir waren präsent, aggressiv und stabil, haben den Ball gut kontrolliert und hatten ein gutes Positionsspiel. In der ersten Halbzeit hatten wir zwar noch Probleme im Spiel nach vorne, aber mit zunehmender Dauer machte sich bemerkbar, dass die Fortuna-Spieler viel gegen den Ball laufen mussten, sich verausgabt hatten und dadurch Bälle verloren haben. In dieser Phase haben wir völlig verdient unser Tor gemacht. Das war ein absolutes Charakterspiel, unsere Jungs haben bis zum Letzten gekämpft, obwohl einige in der nächsten Saison in Heddesheim spielen werden. Das war eine Topeinstellung, umso trauriger ist es, dass es für diese tolle Mannschaft nicht gemeinsam weitergeht.

David de Vega, TSG-Spielleiter: Wir haben das Spiel von Anfang bis Ende kontrolliert und verdient gewonnen. Daran gibt es für mich nichts zu rütteln. Unsere Mannschaft war präsent und der Elfmeter war aus meiner Sicht glasklar.

Andreas Adamek, TSG-Siegtorschütze: Das war sicher einer meiner wertvollsten Treffer für Weinheim. Wir haben schon vor dem Elfmeter gesagt, dass die Situation weitergeht, auch wenn wir den Elfer verschießen sollten. Bei meinem Tor wollte ich den Ball schon genau dort hinschießen, dass er dann so reingeht, war natürlich genial. Wenn wir jetzt so weitermachen, können wir uns in den nächsten Wochen vielleicht sogar von Heddesheim etwas absetzen.

Marcel Lentz, TSG-Torwart: Die spielbestimmende Mannschaft hat gewonnen. Heddesheim hatte nur eine Chance durch einen Freistoß. Jetzt haben wir sehr gute Aussichten. Unser Restprogramm lässt sich bewältigen, während Heddesheim noch schwere Spiele hat. Bei uns will jeder Meister werden.

Marcel Schwöbel, TSG-Kapitän: Wir waren sehr motiviert, aggressiv, haben eine geile Truppe und geben alles für die Meisterschaft. Das Schönste wäre, wenn wir Meister werden und Heddesheim auch noch in die Oberliga aufsteigt, denn natürlich würde ich nächste Saison mit der Fortuna gerne Oberliga spielen.

Andreas Lerchl, frisch aus dem Kuba-Urlaub zurückgekehrter TSG-Spieler: Es war ein Spiel mit wenigen Chancen und einem verdienten Sieger. Vor meinem Wechsel nach Heddesheim bin ich bis zum 30. Juni noch Spieler bei der TSG Weinheim und werde bis dahin auch vom Kopf her alles geben, damit wir unser Ziel erreichen: Wir wollen uns mit einer Meisterfeier verabschieden.

Chris Hiller, eingewechselter TSG-Spieler: Ich konnte die ganze Woche gar nichts machen, jeder Schritt hat mir große Schmerzen bereitet. Es war bis am Samstagmorgen fraglich, ob ich überhaupt zum Kader gehören kann. Eigentlich wollte ich nicht spielen, aber ich glaube, ich habe nach meiner Einwechslung ein bisschen frischen Wind ins Spiel gebracht. Man muss abwarten, wie Heddesheim die Niederlage verdaut. Wir wollen Meister werden und werden in jedem Spiel Vollgas geben, um am Schluss ganz oben zu stehen.