Gespielt wie ein Absteiger

Gespielt wie ein Absteiger

TSG 62/09 Weinheim ist nach einer enttäuschenden Vorstellung mit 0:3-(0:2)-Niederlage gegen Göppingen noch gut bedient

Weinheim, 28.10.2017

Originaltext aus dem Weinheimer Nachrichten vom 30. Oktober 2017

Weinheim. Am 13. Spieltag in der Oberliga präsentierten sich die Fußballer der TSG 62/09 Weinheim wie ein sicherer Absteiger. Das Tabellenschlusslicht verlor nach einer ganz schwachen und erneut enttäuschend harmlosen Vorstellung mit 0:3 (0:2) gegen den 1. Göppinger SV. Diesmal fand auch TSG-Trainer Christian Schmitt deutliche Worte. „Ich bin zutiefst enttäuscht. Bei unserer Mannschaft war überhaupt kein Herz, keine Leidenschaft im Spiel. Mit solch einer Leistung hat man keine Chance, in der Oberliga gegen irgendeine Mannschaft zu bestehen. So funktioniert das nicht.“

Auch die taktische Überlegung, die Partie nicht auf dem durchaus gut bespielbaren Hauptrasen, sondern auf dem bedeutend kleineren Kunstrasenplatz im Sepp-Herberger-Stadion auszutragen, trug keinerlei Früchte. „Wir hatten uns erhofft, dass wir die Räume auf dem Kunstrasenplatz gegen Göppingen enger machen und die schnellen Außenspieler der Gäste besser kontrollieren können. Das ist schiefgegangen“, räumte Schmitt ein.

Ratlosigkeit sprach nach dem Spiel vor rund 100 Zuschauern aus den Gesichtern der TSG-Fußballer. „Wir haben viel zu viele sehr junge Spieler, es fehlt insgesamt einfach zu viel“, sagte Torhüter Levent Cetin. Der 39-Jährige, der trotz Schmerzen im Rücken wieder zwischen den Pfosten stand, ist fast 20 Jahre älter als der Großteil der Weinheimer Mannschaft, verfügt über reichlich Regionalliga- und Oberligaerfahrung. Auf die Frage, wie er seinen Mitspielern in der momentanen Situation helfen könne, antwortete Cetin mit einem Achselzucken. „Wir können nur weiter arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten.“

Sichtlich niedergeschlagen verließ auch TSG-Kapitän Kai Engel den Kunstrasenplatz. „In der ersten Halbzeit hat uns das Feuer gefehlt und wir haben viel zu schnell die Bälle verloren. In der zweiten Halbzeit haben wir zwar umgestellt, waren aggressiver und haben nicht mehr so viel zugelassen. Aber am Ende reicht das nicht.“ Die Göppinger, in deren Startelf noch fünf Spieler aus den siegreichen Aufstiegsspielen gegen Weinheim im Juni 2016 standen, mussten sich wahrlich kein Bein ausreißen, um drei ungefährdete Punkte mit auf die Heimfahrt zu nehmen. Damit haben sich die Württemberger erst einmal im gesicherten Tabellenmittelfeld festgesetzt.

Die Gäste waren bei ihrer Anreise mit einem schmucken Bus, der auch die Bundesliga-Handballer von Frisch Auf Göppingen zu den Auswärtsspielen fährt, eine Weile im Stau gestanden, weshalb die Partie mit viertelstündiger Verspätung angepfiffen wurde. Wacher zeigten sich von Beginn an dennoch die Göppinger. Francis Ubabuike besaß die erste gute Chance, als er sich auf der linken Seite gegen TSG-Verteidiger Clement Glässer durchsetzte und den Ball knapp über das Weinheimer Gehäuse jagte (8.).

Dann zog GSV-Spielmacher Kevin Dicklhuber nach Kopfballablage von Domenico Botta aus 15 Metern ab, TSG-Torhüter Cetin lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte (15.).

Nach einer direkten Kombination der Gäste über die rechte Seite verhinderte Glässer gerade noch eine weitere Chance für Botta (20.). Ein katastrophaler Fehler von TSG-Linksverteidiger Dennis Meis leitete die Führung für Göppingen ein. Im Duell mit dem flinken Shaibou Oubeyapwa wollte Meis zurück zu seinem Torwart spielen, was gründlich misslang. Oubeyapwa schnappte sich den Ball, lief alleine auf das TSG-Tor zu, umspielte auch noch Cetin und schob zum 0:1 ein (29.).

Glück hatte die TSG, als sich Schlussmann Cetin bei einer eigentlich verunglückten Flanke von Dicklhuber verschätzte und Ubabuike den Kopfball an den Außenpfosten setzte (34.). Ihre klare Überlegenheit untermauerten die Gäste in der 40. Minute: Zunächst rettete Cetin in höchster Not gegen Botta, im zweiten Anlauf traf Oubeyapwa aber zum mehr als verdienten 0:2. Von Weinheim gab es bis zum Seitenwechsel nicht eine einzige Offensivaktion. Ein geordneter Spielaufbau von hinten heraus fand nie statt, das Mittelfeld hatte überhaupt keinen Zugriff auf das Geschehen.

Erste TSG-Chance in 83. Minute

Auch in der zweiten Halbzeit verzeichnete Göppingen den besseren Start mit Chancen durch Nebih Kadrija (50.), einem wegen Abseits nicht gegebenen Treffer von Ubabuike (58.) und einer Riesenmöglichkeit für Dicklhuber, der alleine vor Cetin am Schlussmann scheiterte (58.). In der Folge konnte sich die TSG etwas befreien, hatte mehr Ballbesitz, brachte nach vorne aber weiterhin nichts Zwingendes zustande. Die endgültige Entscheidung fiel in der 70. Minute. Meis brachte im eigenen Strafraum den agilen Oubeyapwa zu Fall – den Elfmeter verwandelte Dicklhuber souverän zum 0:3. Nach einem weiteren Abseitstreffer durch den Göppinger Ender Özcan (78.) kam die TSG 62/09 in der 83. Minute (!) zu ihrem allerersten nennenswerten Torabschluss und der ersten Chance der gesamten Partie, als Gäste-Torwart Kevin Rombach einen Schuss von Ralph Friedrich zur Ecke lenkte. Nach deren Ausführung hatte Glässer noch eine Kopfballchance – das war aber alles, was von den Weinheimern in der Offensive kam.

In der Schlussphase vergab Göppingen drei Großchancen durch Özcan (85.), Nils Staiger (90.) und Marc Mägerle (90.+1). „Am Ende hätte es für Weinheim sogar ein Debakel geben können“, sagte Göppingens Trainer Gianni Coveli. bk

TSG 62/09 Weinheim: Cetin; Königsmann, Glässer, Bunjaku, Meis (72. N. Schneider), Roumeliotis (46. Yahaya), Köse (46. Friedrich), Goudar (72. Güder), Engel, Y. Schneider, Tesfagaber.

Tore: 0:1, 0:2 Oubeyapwa (29., 40.), 0:3 Dicklhuber (70., Foulelfmeter).

Beste Spieler: Fehlanzeige – Dicklhuber, Oubeyapwa, Kadrija, Ubabuike.

Zuschauer: 100.

Bilder zum Spiel:

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