Abstieg ist schon jetzt wahrscheinlich

Abstieg ist schon jetzt wahrscheinlich

Weinheim, 11.11.2017

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 13. November 2017

TSG verliert das richtungsweisende „Sechs-Punkte-Spiel“ gegen den KSC II mit

0:3(0:1)/Nur zehn gute Minuten der Gastgeber sind einfach zu wenig.

 

Weinheim. Es reicht einfach nicht für die Oberliga. Diese Erkenntnis verfestigte sich beim Heimspiel der TSG 62/09 Weinheim am Samstag gegen den Karlsruher SC II. Der Aufsteiger verlor das „Sechs-Punkte-Spiel“ im Kampf um den Klassenerhalt gegen die Drittliga-Reserve verdient mit 0:3 (0:1). Für Weinheim ist damit am 15. Saisonspieltag auch der Kontakt zu einem möglichen Nichtabstiegsplatz abgerissen, die Planungen für die kommende Runde können sich schon jetzt in Richtung Verbandsliga konzentrieren.

Diese realistische Betrachtung hat inzwischen wohl auch die Spieler erreicht. „Was sollen wir denn sagen?“, lautete die Reaktion nach der ernüchternden Niederlage gegen den KSC. Die Enttäuschung war nachvollziehbar – da muss man nicht nachbohren. Klare Worte fand TSG-Trainer Christian Schmitt nach der Partie im Sepp-Herberger-Stadion, die rund 120 hartgesottene Zuschauer an einem tristen, nasskalten Novembertag verfolgten. „Wir haben endgültig gezeigt bekommen, dass wir nicht die Qualität haben, in der Oberliga richtig dagegenzuhalten. Fußballerisch war uns der Gegner weit voraus, im Moment sind wir einfach auf jeder Position überfordert.“

Vor allem in der ersten Halbzeit lief bei den Gastgebern wenig bis nichts zusammen. Es gab keine Ballbehauptung, kein geordnetes Passspiel und damit auch keinerlei Impulse für die Offensive. Nach zwei, maximal drei Stationen wurde der Ball verloren – das ging viel zu rasch und machte es den Gästen relativ einfach. Nur die ersten zehn Minuten konnten noch als ausgeglichen bezeichnet werden. Aber nach der ersten guten KSC-Chance durch Malik Karaahmet, dessen Flachschuss knapp am Pfosten vorbeistrich (10.), lief die Partie nur noch in eine Richtung. Der Karlsruher Valentino Vujinonic brachte in aussichtsreicher Position den letzten Pass nicht zu einem Mitspieler (14.), und der von der TSG nie in den Griff zu bekommende Karaahmet vergab aus kürzester Distanz nach einem gefährlich verlängerten Freistoß des agilen Michael Reith (15.). Ein Solo von Nathaniel Amamoo leitete die nächste KSC-Chance ein, als TSG-Spieler Yannick Schneider einen Schussversuch gerade noch abblockte (17.).

Das überfällige 0:1 hatte sich zu einem Teil auch TSG-Torwart Levent Cetin zuzuschreiben. Er wollte außerhalb des Strafraums gegen Vujinovic klären, brachte den Ball aber nicht weit genug aus der Gefahrenzone. Karaahmet erkannte die Situation, zog ab, bevor Cetin in seinem Tor zurück war, und erzielte aus über 20 Metern abgezockt die Karlsruher Führung (24.). Auch im Anschluss behielten die Gäste die Kontrolle, allerdings gab es bis zur Pause keine zwingenden Chancen mehr. Auf der Gegenseite musste KSC-Torwart Oliver Stemmle in den ersten 45 Minuten genau einen Ball halten – einen zu lang geratenen Freistoß aus 50 Metern von TSG-Kapitän Tolga Karlidag, der eigentlich als Vorlage gedacht gewesen war.

Exakt 27 Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit hätte Vujinovic für den KSC nachlegen können. „Da müssen wir das 0:2 machen. Wer solche Chancen auslässt, wird manchmal bestraft“, sagte KSC-Trainer und Ex-Profi Zlatan Bajramovic. Und tatsächlich wurde es plötzlich für zehn Minuten ein ganz anderes Spiel. TSG-Trainer Schmitt hatte zur Pause zweimal gewechselt und taktisch von Dreier- oder Fünferkette auf ein 4-1-3-2-System umgestellt. Das schien sich auszuzahlen und kurzzeitig keimte sogar Hoffnung auf den Ausgleich auf.

Die Weinheimer Spieler gingen in ihrer besten Phase beherzter zu Werke, behaupteten sich auch in Zweikämpfen und suchten den Weg nach vorne. Der eingewechselte Ole Gärtner erkämpfte die erste Ecke des Spiels für die TSG (47.). Kurz darauf setzte sich Yigzaw Tesfagaber auf der linken Seite durch, doch die KSC-Abwehr klärte in höchster Not (48.). Und Lorik Bunjaku prüfte KSC-Schlussmann Semmle (50.).

Karlsruhe schien zu wanken, doch ein schnell und zielsicher vorgetragener Angriff des KSC führte zur Vorentscheidung. Linksaußen Reith bediente Karaahmet, der im Zentrum zum 0:2 vollstreckte (56.). Noch einmal gab es ein kurzes Aufbäumen der TSG durch einen wuchtigen Schuss von Tesfagaber, der Semmle zu einer Parade zwang (58.). Drei Minuten später war die Messe aber gelesen. Wie schon beim 0:2 gewann Reith das Duell gegen den in der zweiten Halbzeit auf rechts verteidigenden Noureddin Goudar, die Flanke verwertete Karaahmet in akrobatischer Weise aus der Luft mit seinem dritten Treffer des Tages zum 0:3 (61.).

„Nach unserem Doppelschlag in der zweiten Halbzeit war der Deckel drauf“, freute sich KSC-Trainer Bajramovic über „ein gerechtes Ergebnis“. Nur noch einmal hatte KSC-Torwart Semmle Mühe bei einem Schuss von Ole Gärtner (68.). Danach plätscherte die Partie im Nieselregen aus. „Wir müssen unser Jahr in der Oberliga zum Lernen nehmen und mittelfristig schauen, dass wir unsere Mannschaft zusammenhalten“, lautete das Fazit von TSG-Trainer Schmitt. bk

TSG 62/09 Weinheim: Cetin; Roumeliotis, Bunjaku, Karlidag (63. N. Schneider), Yahaya, Engel, Goudar, Y. Schneider, Güder (46. O. Gärtner), Köse (46. Njie), Tesfagaber (63. Friedrich).

Tore: 0:1, 0:2, 0:3 Karaahmet (24., 56., 61.).

Beste Spieler: Engel – Karaahmet, Reith, Amamoo.

Zuschauer: 120.