Mehr als nur ein Klassenunterschied

Mehr als nur ein Klassenunterschied

Oberliga-Schlusslicht TSG 62/09 Weinheim muss sich dem neuen Spitzenreiter FC 08 Villingen mit 0:4 (0:3) beugen und hat nicht den Hauch einer Chance

Weinheim, 25.11.2017

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 27. November 2017

 

Weinheim. Das Herbstlaub segelt auf die spiegelnde Laufbahn, am aufgeweichten Rasen ist die Außenlinie nur noch Matsch. Und das notdürftig mit einer Mülltüte geflickte Leck im Dach der Auswechselbank ist ein Sinnbild dafür, wie es um den Weinheimer Fußball derzeit bestellt ist. Die TSG 62/09 Weinheim verlor erwartungsgemäß auch gegen den neuen Spitzenreiter der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg, den FC 08 Villingen, mit 0:4 (0:3) und verharrt weiter am Tabellenende.

Villingens Keeper Christian Mendes Cavalcanti musste nur ein einziges Mal in der 52. Minute einen Weinheimer Distanzschuss von Ole Gärtner klären. Bis dahin hatten die Villinger die Partie nach einer dominanten ersten Hälfte bereits entschieden. Die Villinger Fans, die mit ihren Gesängen die Akustik des Stadions testeten und die ganze Szenerie damit noch trister machten, stellten fast die Hälfte der gerade einmal noch 80 Zuschauer.

„Ich muss mich bei Villingen entschuldigen. Normalerweise spielt der FV 08 vor 970 Zuschauern, auswärts sind es immer noch 670. Für ein Trainingsspiel war das eine sehr lange Anreise“, flüchtete sich Weinheims Trainer Christian Schmitt in Sarkasmus. Seiner vor der Saison von ihm komplett neu zusammengestellten jungen Truppe fehlt die Oberligatauglichkeit, von Außen kamen keine Impulse.

Der Mit-Aufsteiger schleppt sich durch die Runde und war insofern überhaupt kein Maßstab für die souveränen Gäste im Weinheimer Sepp-Herberger-Stadion. Die Partie gegen den mannschaftlich zusammengebliebenen Mitaufsteiger zeigte, wie es hätte laufen können, wenn beim Weinheimer Verbandsligameister alles „normal“ gelaufen wäre.

Die Leistungsträger halten

„Es war ja klar, wie es nach der Neuausrichtung kommen würde“, sagt TSG-Spielleiter Reiner Werner. „Wir müssen jetzt schauen, dass wir in der Winterpause unsere Personalplanungen festzurren und die Leistungsträger wie Tolga Karlidag und Georgios Roumeliotis halten, um ein verbandsligataugliches Team zu stellen. Da spielt es auch keine Rolle, dass eventuell der KSC II zurückzieht und es vielleicht nur zwei Absteiger geben wird.“ In der Tat, ein weiteres Oberligajahr unter den herrschenden Bedingungen – das wäre ein verrücktes Unterfangen. Denn am Samstag zeigte sich mehr als ein Klassenunterschied.

Villingen indes war dies natürlich schnuppe. „Auch dieses Spiel musste erst gewonnen werden. Klar hatten wir Respekt vor Weinheim, aber uns war auch klar, dass wir das Spiel gewinnen, wenn jeder seine Leistung abruft. Wir wollten zu Null spielen, das ist uns gelungen und vier Tore muss man bei diesen Platzverhältnissen auch erst mal machen“, sagte Jago Maric, der das 4:0 aber nicht zu hoch hängen wollte. „Das war heute keine besonders starke Leistung von uns. Wir schauen von Spiel zu Spiel. Aber Tabellenführer – das sieht natürlich gut aus.“

Die Villinger drängten die völlig überforderte TSG 62/09 von Beginn an in deren eigene Hälfte. Vor dem 1:0 durch Nedzad Plavic nach schöner Hereingabe von links (7.) hatten die Schwarz-Weißen bereits zwei weitere gute Torchancen und auch danach stand immer wieder Weinheims Torwart Levent Cetin im Mittelpunkt. In der 41. Minute nutzte Pablo Gil Arrion einen an der Weinheimer Mauer abgeprallten Freistoß von Ceylan zum 2:0. Kurz vor und nach der Pause trafen Daniel Niedermann und erneut Nedzad Plavci jeweils nach von Stjepan Geng getretener Ecke zum 3:0 und 4:0.

Danach verwaltete der neue Spitzenreiter seine Führung und ließ die Weinheimer ein wenig mitspielen. „In die zweite Halbzeit sind wir etwas besser in die Zweikämpfe rein und auch etwas besser nach vorne gekommen. Aber das war natürlich trotzdem nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, sagte Kai Engel, der am Samstag Mannschaftsführer war. „Wir haben die Konter nicht konsequent zu Ende gespielt und hatten insgesamt zu viele Ballverluste.“

Angesprochen auf die Moral der Mannschaft, sehnt Engel die Winterpause herbei. „Wir wussten ja, worauf wir uns einlassen und versuchen dennoch, jede Woche unser Bestes zu geben. Acht Spiele in Folge zu verlieren – das tut schon weh. Aber wir haben immerhin auch sieben Punkte, das sind wahrscheinlich sieben mehr, als von uns erwartet wurden.“ AT

TSG 62/09 Weinheim: Cetin; Königsmann, Bunjaku, Goudar (70. Keller), Yahaya (54. Schneider), Romagnolo, Friedrich (54. Tesfagaber), O. Gärtner, Engel, Glässer (54. Njie), Roumeliotis.

Zuschauer: 80.

Tore: 0:1 Plavci (7.), 0:2 Gil Sarrion (41.), 0:3 Niedermann (45.+1), 0:4 Plavci (48.).

Bilder zum Spiel:

http://www.tsg6209weinheim.de/leistungsmannschaften/1-mannschaft/bildergalerie-1-mannschaft/