Abstieg vor Augen, aber positive Signale

Abstieg vor Augen, aber positive Signale

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 20. Dezember 2017

Weinheim. Der Rücksturz in die Verbandsliga ist kaum noch zu verhindern – und er kommt nicht unerwartet. Die Fußballer der TSG 62/09 Weinheim wagten nach dem Weggang ihrer Meistermannschaft und dem kompletten Umbruch im Sommer mit einem völlig neuformierten, extrem jungen Kader sowie neuem Trainer- und Betreuerteam als Aufsteiger das Experiment Oberliga. Nach 18 Spieltagen steht die TSG mit sieben Punkten zur Winterpause auf dem letzten Tabellenplatz, mit bereits neun Punkten Abstand zum eventuell rettenden Ufer.

Vor wenigen Tagen gab es auch noch eine Zäsur auf Funktionärsebene. Reiner Werner ist der neue Abteilungsleiter (wir berichteten im Lokalteil). Das TSG-Urgestein trat bei der Wahl gegen Amtsinhaber Darko Vucic an und setzte sich als Gegenkandidat mit 76 Prozent der Stimmen durch. Reiner Werner steht nun nicht nur an der Spitze der Fußball-Abteilung, sondern wird auch weiterhin seine Ämter als Spielleiter der ersten und der zweiten Mannschaft bekleiden. Zur aktuellen sportlichen Lage sprachen wir mit Trainer Christian Schmitt.

Ihrer neuen Mannschaft wurde schon vor der Runde keine Chance auf den Klassenerhalt in der Oberliga eingeräumt. Müssen auch Sie das jetzt so akzeptieren?

Christian Schmitt: Wir sind nicht nur mit einer sehr jungen, sondern auch mit einer komplett zusammengewürfelten Mannschaft in die Saison gegangen – das hat man immer wieder gesehen. Zwar hatten wir in jedem Spiel Phasen, in denen wir ordentlich mitgehalten haben, aber in letzter Konsequenz war die individuelle Qualität, die Handlungsschnelligkeit und Abgezocktheit der Gegner höher. Die Folge waren auch viele Gegentore nach Standards, da müssen wir uns verbessern und daran werden wir arbeiten. Wir hatten in der Vorrunde sicher die eine oder andere Delle und zwischendurch auch enttäuschende Leistungen. Aber solche Schwankungen bleiben bei einer Mannschaft, die meist nur ein Durchschnittsalter von rund 21 Jahren aufwies, nicht aus.

Haben die vielen Niederlagen Spuren hinterlassen?

Schmitt: Ganz sicher ist es nicht so, dass es uns nichts ausmachen würde, Woche für Woche zu verlieren. Aber wir müssen das realistisch einschätzen. Die Moral der Jungs ist jedenfalls intakt und das muss man ihnen hoch anrechnen. Auch wenn es hart und bitter erarbeitet ist, in den kommenden Jahren können die Spieler von den gemachten Erfahrungen profitieren.

Die Planungen für die nächste Saison gehen aber schon in Richtung Verbandsliga?

Schmitt: Auch die Spieler wissen, dass es wahrscheinlich in die Verbandsliga geht. Zum Klassenerhalt in der Oberliga bräuchten wir auch viel Glück und in diesem Fall würde uns wieder eine sehr schwere Saison bevorstehen. Wir versuchen, den Großteil unserer aktuellen Mannschaft zu halten und sinnvoll zu ergänzen, um eine gute Verbandsliga-Mannschaft zu bekommen.

Wie sind die Spielergespräche bisher verlaufen?

Schmitt: Im Moment haben sich schon acht Spieler frühzeitig zu uns bekannt und werden unabhängig vom Ausgang dieser Runde auch in der nächsten Saison für uns spielen. Das ist ein sehr positives Zeichen. Darunter sind auch Leistungsträger wie Yigzaw Tesfagaber, mit bisher sechs Saisontoren unser erfolgreichster Torschütze, und Abdullah Köse. Clement Glässer ist ein wichtiger Teamplayer und Yannick Schneider, Noureddin Goudar, Nico Königsmann und Leon Koppisch sind Spieler, die trotz teilweise verletzungsbedingter Pausen eine sehr gute Entwicklung genommen haben. Zudem kommt Fabrizio Romagnolo von den A-Junioren, der schon in dieser Saison einige Einsätze hatte. Das ist auch ein wichtiges Zeichen für unsere gute Zusammenarbeit zwischen erster Mannschaft, U 23 und U 19.

Bleibt auch Kapitän Tolga Karlidag als wichtige Stütze der Mannschaft erhalten?

Schmitt: Darüber würden wir uns freuen. Die Gespräche laufen noch. Wir wünschen uns, dass Tolga für sich sieht, dass er in Weinheim Spuren hinterlassen und ein Fixpunkt werden kann.

Es gibt bisher auch zwei Abgänge zur Winterpause.

Schmitt: Torhüter Nico Umscheid hat sich dem FC 07 Bensheim angeschlossen. Auch Niklas Schneider verlässt uns, sein Ziel ist noch nicht bekannt. Außerdem wechselt unser U19-Spieler Marvin Kaul zur Winterpause zu den A-Junioren des SV Waldhof. Wir gönnen ihm diese Herausforderung und vielleicht kommt er im Sommer ja zurück.

Werden Sie in der Winterpause noch Zugänge verpflichten?

Schmitt: Wir hatten einige Anfragen von Spielern, aber wir werden keinen nur für ein halbes Jahr Oberliga holen – das bringt uns nichts. Es müssen schon Spieler sein, die unseren Weg mitgehen und die wissen, dass es wohl in die Verbandsliga geht. Die Perspektive muss also über diese Saison hinausgehen und da sind wir mit ein, zwei Spielern derzeit in Kontakt.

Sie selbst haben ja einen Zwei-Jahres-Vertrag in Weinheim.

Schmitt: Deniz Yetkin und ich werden unabhängig vom Abschneiden in der laufenden Runde mit der TSG Weinheim in die nächste Saison gehen. Wir haben auch den Spielern gesagt, dass es nur Sinn macht, wenn wir zusammenbleiben und dann auch ernten können, was wir jetzt säen.

Welche Zielsetzung geben Sie für die verbleibenden 16 Saisonspiele in der Oberliga aus?

Schmitt: Wir wollen es in jedem einzelnen Spiel besser machen als im Hinspiel und hoffen, dass wir bis zur Saisonfortsetzung am 17. Februar zu Hause gegen Ravensburg wieder komplett sind. Ylli Cermjani, Abdullah Köse, Tolga Karlidag, Deniz Yetkin und David Keller sind schon wieder mit dabei. Bei Mats Gärtner und Dennis Meis hoffe ich, dass sie bis zum Trainingsauftakt am 8. Januar wieder einsteigen.

Die Weihnachtszeit ist auch die Zeit für Wünsche . . .

Schmitt: Ich wünsche mir, dass die bisherige Zusage von acht Spielern für die nächste Saison als erstes Signal gesehen wird und wir alle gemeinsam etwas entwickeln können, das über dieses Jahr hinausgeht. bk