Aufatmen nach kraftraubender Saison

Aufatmen nach kraftraubender Saison

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 22. Mai 2018

Absteiger TSG 1862/09 Weinheim verliert das letzte Oberliga-Heimspiel gegen den SSV Reutlingen mit 0:4 (0:3)

Weinheim. „Die Weinheimer sind ja nicht schlecht. Sie spielen einfach nur in einer zu hohen Liga.“ Max Bader, E3-Junioren-Spieler der TSG 62/09 Weinheim, analysierte die Oberliga-Saison mit seinem Opa beim Verlassen des Herberger-Stadions kurz und prägnant. Das 0:4 (0:3) gegen den SVV Reutlingen setzte den Schlussstrich unter eine Runde, die alle Beteiligte viel Kraft gekostet hat. „Wir haben heute zwei Dinge gesehen, die nicht in die Oberliga gehören. Wir in unserer aktuellen Verfassung und die tollen Fans des SSV Reutlingen“, sagte TSG-Trainer Christian Schmitt, der dem Spielplan dankte, dass der Traditionsverein zum Heimfinale Gast im Weinheimer Herberger-Stadion war. Denn die gut 100 mitgereisten Fans aus Schwaben sorgten endlich für Oberliga-Stimmung.

Freilich sang der Block E nur für die Gäste, doch es wehte ein Hauch von Fußball-Atmosphäre durch das weite Rund. Nicht den Hauch einer Chance hatten indes die Gastgeber der TSG 62/09, die einmal mehr nur mit einer Rumpfmannschaft antreten konnten. Bereits nach dreieinhalb Minuten berührte Georgios Roumeliotis den in den Strafraum eingedrungenen Marvin Pieringer, was diesen zu Fall und den Reutlingern den frühen Elfmeter brachte. SSV-Antreiber Dirk Prediger ließ sich nicht lange bitten und stellte auf 0:1. Weinheim brachte nicht viel auf den Rasen, zu kompakt stand die Reutlinger Defensive, die so gut wie nichts zuließ. Einmal tankte sich Abdullah Köse im Mittelfeld durch (11.), doch der stand dann allein auf weiter Flur vor der versammelten SSV-Abwehr. Mehr war nicht drin.

Der ehemalige Zweitligist hatte es da einfacher. Ein Seitenwechsel von links auf rechts hebelte die komplette Weinheimer Abwehr aus, sodass Thomas Kunz sogar noch was fürs Auge bot und mit der Hacke zum 0:2 einschob (17.). Und als Roumeliotis in seinem eventuell letzten Heimspiel dann den Ball an der Strafraumgrenze an Raphael Schneider verlor, leitete dieser weiter an Luca Plattenhardt, der sich in der 29. Minute beim 0:3 nicht lange bitten ließ.

Im zweiten Durchgang nahmen sich die Gäste etwas zurück und die TSG 62/09 kam etwas besser ins Spiel. Ein noch abgefälschter Distanzschuss von Kai Engel in der 48. Minute war allerdings der einzig nennenswerte Schuss aufs Tor. Weinheim drückte jetzt zwar, wurde dafür aber auch anfällig für Konter, was Prediger in der 60. Minute zum 0:4 nutzte. Die Reutlinger hätten sogar noch höher gewinnen können, vergaben aber vier Minuten vor Schluss durch Denis Lübke noch einen von Clement Glässer verschuldeten Foulelfmeter und scheiterten in der Schlussminute zunächst per Eiberger-Freistoß und dann durch Maximilian Rohr im Nachschuss frei vor dem Tor.

Die Erleichterung darüber, das letzte Heimspiel einigermaßen anständig über die Bühne gebracht zu haben, war TSG-Kapitän Kai Engel anzumerken. „Es war auf jeden Fall eine Erfahrung und ich habe Respekt vor allen, die das mitgemacht haben. Die meisten dachten sicher, dass wir auseinanderfallen, dafür haben wir es aber noch gut hinbekommen“, sagt der Mann, der bis zum Winter auf jeden Fall studienbedingt ins Ausland geht, seinen Pass aber vorerst nicht mitnehmen wird.

„Wir hoffen darauf, dass er uns nach der Winterpause zur Verfügung stehen wird. Genau wie Muhammad Calhanoglu, dessen Kreuzband-Operation gut verlaufen ist“, sagt Trainer Christian Schmitt, der drei weitere Zugänge verkündete. Aus der A-Jugend rückt Marvin Kaul endgültig in den Kader, aus der Regionalliga-A-Jugend des FSV Offenbach kommt Gianluca Lucchese und der 31-jährige Kristijan Vidakovic (VfB Gartenstadt) wird wohl die neue Oldie-Rolle im Verbandsliga-Kader 2018/19 übernehmen. „Wir haben bislang 18 Feldspieler und vier Torhüter, damit stehen wir erst einmal nicht unter Druck“, sagt Schmitt, der das Coachen des letzten Spiels in Villingen seinem „Co“ überlässt und sich bereits mit der Familie in Urlaub befindet. Erholung haben alle dringend nötig. AT 

TSG 62/09 Weinheim: Cetin; Batur, Königsmann, Köse (46. Meis), Goudar (67. Gärtner), Acik (89. Bunjakov), Schneider, Keller, Engel (75. Link), Glässer, Roumeliotis.

Zuschauer: 210, davon 100 aus Reutlingen.

Tore: 0:1 Prediger (4. Foulelfmeter), 0:2 Kunz (17.), 0:3 Plattenhardt (29.), 0:4 Prediger (60.).

Bilder zum Spiel:

http://www.tsg6209weinheim.de/leistungsmannschaften/1-mannschaft/bildergalerie-1-mannschaft/