„Rote TSG“ will Derbysieg einfach mehr

„Rote TSG“ will Derbysieg einfach mehr

TSG Lützelsachsen setzt sich im Stadtderby der ersten Runde um den Badischen Verbandspokal mit 2:1 gegen Verbandsligist TSG Weinheim durch

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 23. Juli 2018

Lützelsachsen. Junggesellen-Abschiede sind feuchtfröhliche Veranstaltungen, die am nächsten Morgen meist einen dicken Kopf nach sich ziehen. So dürfte es dem demnächst verheirateten Stefan Schröder gehen, der mit seinem Bruder Matthias am Samstag zur Tour um die Häuser abgezogen wurde. Hätten die beiden gewusst, was sie auf dem Sportplatz verpassen, wäre der Termin mit feierfesten Kumpels vielleicht nicht ausgerechnet auf die Austragung der 1. Pokalrunde um den Badischen Fußball-Pokal gefallen. Denn ihr Verein, die TSG 91/09 Lützelsachsen, schaffte die Pokalsensation und warf die zwei Klassen höher in der Verbandsliga spielende TSG 62/09 Weinheim mit dem 2:1-(0:0)-Sieg aus dem Wettbewerb.

Und das verdient, denn die Saasemer Gastgeber gaben vor 300 Zuschauern auf dem Sportplatz Waid alles, um dem Favoriten ein Bein zu stellen. Die Lützelsachsenser, eine gewachsene Mannschaft aus vielen Eigengewächsen, war mental klar im Vorteil gegen eine erneut neu zusammengestellte Elf der TSG 62/09, die das Derby einfach nicht so annahmen wie der Underdog,

„ Wir sind eine Mannschaft, hier kämpft jeder für den anderen. Für uns hat das Derby noch eine Bedeutung. Und wir haben uns nach dem direkten Ausgleich wirklich immer weiter gepusht. Letztendlich hat man den Klassenunterschied nicht gemerkt“, sagte ein glücklicher Saasemer Kapitän Rene Knapp. Und der Weinheimer Spielleiter Reiner Werner bestätigte geknickt: „ Lützelsachsen hat verdient gewonnen. So dürfen wir uns nicht präsentieren, das geht gar nicht.“

Die TSG 62/09 machte in einem kämpferisch geprägten Derby zwar von Beginn an Druck, doch die „rote TSG“ hatte einen Plan. Hinten hielten vor allem Walther, Restle und Bauer die Abwehr stabil, doch nach vorne sollten auch Akzente gesetzt werden, was beispielsweise immer wieder über Timo Sattler gelang. Im ersten Durchgang ergab sich so sogar ein Chancenvorteil für die Gastgeber. Dennoch ging es torlos in die Pause.

Lützelsachsen kommt zurück

Nach Wiederanpfiff des schwachen Schiedsrichters versuchte sich erneut Weinheim, blieb jedoch meist zu unstrukturiert. Nur einmal musste sich Lützelsachsens Keeper Fabian Gutfleisch in der 35. Minute arg strecken, um einen Distanzschuss von Noureddin Goudar (56.) zu klären. Dem war ein TSG-Ballverlust an der Strafraumgrenze vorangegangen, Der zweite Fehler, als die Abwehrkette den Ball ungewollt auf den hinter ihnen lauernden Aiman Kurt verlängerte, nutzte dieser zum 0:1 (58.). Es spricht für die Lützelsachsener Moral, dass Sebastian Weihrich knappe zwei Minuten später mit einem Distanzschuss von der Strafraumgrenze gleich wieder zum 1:1 ausglich. Und als Knapps Flanke von links gleich drei Mitspieler frei vor Weinheims Keeper Raul-Lucian Chira auftauchen ließ, nutzte der gerade eingewechselte Fernando Cabrera die blanke Abwehr der TSG 62/09 in der 71. Minute zur 2:1-Führung, die der Kreisligist dann bis zum umjubelten Ende verteidigte.

„Wir haben es nicht geschafft, unsere Qualität auf den Platz zu bringen, waren zu ungenau und zu hektisch. Es hat uns auch spielerisch die Qualität gefehlt, um so ein Spiel ruhig zu halten“, erkannte auch Weinheims Trainer Christian Schmitt an. Noch bitterer als die Niederlage war für die TSG 62/09 aber Verletzung von Marvin Kaul, der sich nach einem Zusammenprall mit Lützelsachsens Keeper Gutfleisch wohl schlimmer am Sprunggelenk verletzte. Und auch die unangebrachte Bemerkung des Schiedsrichters in Sachen Weinheimer Leistungsfähigkeit, stieß Schmitt bitter auf. „Es hat auf dem Platz nichts zu suchen, dass er uns die Verbandsligatauglichkeit abspricht.“

Jubel hingegen beim Derbysieger, der den Siegesdurst nicht nur mit den zwei von den Schröder-Brüdern gestifteten Getränkekästen löschte. Für den neuen Lützelsachsener Trainer Rick Hutter war es der perfekte Einstand. „Eigentlich könnte ich gleich wieder aufhören“, sagte er lachend. „Für uns Lützelsachsener ist es das Allergrößte, gegen die erste Mannschaft der blauen TSG zu gewinnen. Jeder wusste, dass es so eine Chance nicht allzu oft geben wird. Kompliment an die Mannschaft, wie sie das Ding dann heimgeholt hat.“

In der zweiten Hauptrunde geht es für die Saasemer jetzt gegen Ziegelhausen/Peterstal. Doch das war nach dem historischen Sieg im Stadtduell allen herzlich egal. AT

TSG 91/09 Lützelsachsen: Gutfleisch; Weihrich, Sattler (83. Hruschka), Knapp, Beutel (68. Cabrera), Funder (93. Abaza), Wetzel, Walther, Restle, Baumann, Spahn (68. Muharemovic).

TSG 62/09 Weinheim: Chira; Bunjaku (46. Acik), Köse, Goudar (62. Endler), Batur, Kaul (39. Yücel), Meis, Schneider, Kurt, Romagnolo, Morscheid.

Schiedsrichter: Christopher Funk

Tore: 0:1 Kurt (58.), 1:1 Weihrich (60.), 2:1 Cabrera (71.).

Zuschauer: 300.

Bilder zum Spiel:

http://www.tsg6209weinheim.de/leistungsmannschaften/1-mannschaft/bildergalerie-1-mannschaft/