Mutiges junges Team als Favoritenschreck

Mutiges junges Team als Favoritenschreck

TSG 62/09 Weinheim feiert verdienten 2:1-(1:0)-Heimsieg gegen den Aufstiegskandidaten VfR Mannheim und überzeugt spielerisch wie kämpferisch / Erneuter Doppeltorschütze Yannick Schneider

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 12. November 2018

Weinheim. Die TSG 62/09 Weinheim manifestiert sich immer mehr als Favoritenschreck. Dank einer engagierten Leistung zwang die junge Mannschaft des Oberliga-Absteigers am Samstag auch den VfR Mannheim mit 2:1 (1:0) in die Knie – und das vollauf verdient. Damit haben Weinheims Fußballer, vor der Saison von vielen Skeptikern schon als erneuter Absteiger gehandelt, in der Vorrunde drei Teams aus den Top 5 der Verbandsliga geschlagen. Siege gegen den VfB Gartenstadt, den FC Astoria Walldorf II und jetzt den VfR Mannheim kommen nicht von ungefähr, auch gegen Fortuna Heddesheim war die TSG nah dran.

„Die Jungs haben gegen den VfR erneut gezeigt, welches Potenzial in ihnen steckt“, lobte Christian Schmitt seine Mannschaft für den Erfolg gegen den hochgehandelten Tabellendritten aus der Quadratestadt. Während der TSG-Trainer nach der Partie sein gesamtes Trainer- und Betreuerteam und dann jeden Spieler herzte, stapfte VfR-Kollege Serkan Secerli sichtlich angefressen in Richtung Kabine davon. Was die Rasenspieler zuvor geboten hatten, war eindeutig zu wenig für einen Aufstiegskandidaten.

Das sahen auch die Ex-Weinheimer Chris Hiller und Jonas Meier-Küster auf der Tribüne. Beide waren verletzungsbedingt gegen ihren langjährigen Verein zum Zuschauen verdammt. Hiller konnte seit März kein Spiel mehr bestreiten, ist aber gerade wieder ins Training eingestiegen und hofft, seine fast neunmonatige Wettkampfpause noch in diesem Jahr zu beenden. Meier-Küster hatte sich am Mittwoch im Training das „Sesambein“ – einen kleinen Knochen im linken Fuß – gebrochen und muss wohl zwei bis drei Wochen pausieren. „Das ist sehr ärgerlich“, sagte das einstige TSG-Urgestein. „Ausgerechnet die Spiele gegen Weinheim und Gartenstadt verpasse ich.“

So war VfR-Torwart Marcel Lentz der einzig verbliebene Mannheimer Spieler auf dem Platz, der 2017 mit der TSG Verbandsliga-Meister geworden war. Auch er räumte die verdiente Niederlage am Samstag ein. „In der ersten Halbzeit haben wir unser System überhaupt nicht durchgebracht, in der zweiten Hälfte war es zwar besser, aber da haben wir unsere Tore nicht gemacht.“

Verschossener Elfer als Symbol

Lentz meinte vor allem die Szene in der 53. Minute. Unmittelbar nach dem 2:0 für die TSG durch Yannick Schneider (52.) erhielten die Gäste nach einem Zweikampf zwischen Matthias Kuhn und dem Mannheimer Marcel Gessel einen Foulelfmeter zugesprochen. Der Ausführende Ayhan Sabah scheiterte jedoch an TSG-Torhüter Raul-Lucian Chira – das passte zum gebrauchten Tag für den VfR.

Yannick Schneider hatte Weinheim auch schon verdient in Führung gebracht, als er mit einem von Jonas Rehm noch leicht abgefälschten 22-Meter-Schuss zum 1:0 traf (29.). Für Schneider war es bereits der zweite Doppelpack in dieser Saison. „Daran könnte ich mich gewöhnen“, schmunzelte der 20-jährige Mittelfeldspieler. Er setzte zusammen mit den agilen Angriffsspitzen Aiman Kurt und Marvin Kaul, der auch immer wieder mutig in Dribblings ging, die Akzente in der Offensive. Und in der je nach Spielsituation als Dreier- oder Fünferkette agierenden TSG-Defensive hielt Abwehrchef Kristijan Vidakovic den Laden zusammen.

Auf der anderen Seite fand die trotz der Ausfälle immer noch hochkarätig besetzte VfR-Mannschaft, bei denen der Ex-Weinheimer Yigzaw Tesfagaber überraschend gar nicht im Kader stand, nicht in die Spur. Nur ein Freistoß von Ajdin Zeric (4.) und eine Möglichkeit durch Rene Schwall erneut nach einem Standard (18.) sorgten in der ersten Halbzeit für etwas Gefahr. Und ein leichtfertiger Ballverlust von TSG-Verteidiger Kuhn blieb ohne Folgen, da der völlig neben sich stehende VfR-Mittelstürmer Daniel Gulde – ebenfalls ein Ex-Weinheimer – den Ball verstolperte (17.).

Ansonsten war die TSG die bessere Mannschaft mit den besseren Chancen. Nach einem langen Ball von Vidakovic und starker Vorarbeit von Kaul vergab Kurt ein Riesending, als er den Ball an VfR-Schlussmann Lentz aber auch am Tor vorbeischob (24.). Dann fand Kaul seinen Meister in Lentz (26.), ehe Schneider mit dem 1:0 den Bann brach (29.). Kurz darauf fehlte bei einem Schlenzer von Kurt nicht viel zum 2:0 (32.).

TSG mit 25 Punkten im Soll

Zur zweiten Halbzeit brachte VfR-Trainer Secerli gleich drei frische Spieler. Die Gäste wollten noch einmal Druck aufbauen, wurden in der 52. Minute aber eiskalt erwischt. Kurt behauptete sich am VfR-Strafraum gegen mehrere Mannheimer und bediente Schneider, der von halblinks überlegt zum 2:0 einschob. Nach dem verschossenen Elfmeter schien Mannheim fast schon geschlagen. Doch wie aus dem Nichts fiel urplötzlich das 2:1, als der eingewechselte Bartosz Franke eine Flanke von Schwall einköpfte (65.). In der Folge versäumte es die TSG, bei Kontern zweimal den Sack zuzumachen, als Kaul und Kurt gegen VfR-Torwart Lentz den Kürzeren zogen (73.). Zwar hatten auch noch die Gäste eine Doppelchance durch Franke und Pietro Adragna, der kläglich verzog (78.). Ansonsten fiel den Gästen nichts ein. Erst in der sechsminütigen Nachspielzeit gab es noch eine Möglichkeit für Gessel.

Der VfR hätte sich den Punkt aber nicht verdient gehabt und die Weinheimer durften feiern. „Jetzt können wir uns zum Vorrundenabschluss in Zuzenhausen noch Bonuspunkte holen“, strahlte Trainer Schmitt. bk

TSG 62/09 Weinheim: Chira; Vidakovic, Bunjaku, Kuhn, Goudar, Morscheid (85. Romagnolo), G. Goulas (66. Meis), Keller, Schneider, Kurt (80. Königsmann), Kaul (89. Lucchese).

Tore: 1:0 Schneider (29.), 2:0 Schneider (52.), 2:1 Franke (65.).

Besondere Vorkommnisse: Chira (TSG) hält Elfmeter von Sabah (53.).

Beste Spieler: Schneider, Vidakovic, Kaul, Kurt – Lentz.

Zuschauer: 220.

Bilder zum Spiel:

http://www.tsg6209weinheim.de/leistungsmannschaften/1-mannschaft/bildergalerie-1-mannschaft/