Jungen Spielern helfen, im Leben anzukommen

Jungen Spielern helfen, im Leben anzukommen

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 15. Dezember 2018

Weinheim. Neun Siege bei nur sechs Niederlagen, 31 Punkte nach 19 Spieltagen und Tabellenplatz acht im gesicherten Mittelfeld: Nicht viele hätten den Verbandsliga-Fußballern der TSG 62/09 Weinheim zur Winterpause eine solch positive Bilanz gut sechs Monate nach dem Abstieg aus der Oberliga zugetraut. Nach dem kompletten Umbruch im Sommer 2017 im Anschluss an die Verbandsliga-Meisterschaft sahen die Perspektiven alles andere als rosig aus. Doch Trainer Christian Schmitt und seinem Team ist es innerhalb von eineinhalb Jahren gelungen, in zwei großen Veränderungsschritten eine junge und hungrige Mannschaft mit Entwicklungspotenzial zu formen, die ihre Verbandsligatauglichkeit bislang unter Beweis stellte. Wir sprachen mit dem Trainer über die aktuelle Situation und die Planungen für die laufende und kommende Saison.

Christian Schmitt, war es rückblickend eine richtige Entscheidung, mit einer völlig neuen und jungen Mannschaft trotz vorhersehbarer Chancenlosigkeit das Jahr in der Oberliga anzugehen?
Christian Schmitt: Das war keine bewusste, sondern einfach eine sportliche Entscheidung. Als Sportler nimmt man die Herausforderung eines Aufstiegs an, dazu gab es keine Alternative. Es war nie ein Thema, den Schritt in die Oberliga nicht zu tun. Natürlich war es mit den vielen Niederlagen eine schwere Saison. Wir wussten, dass wir in der Oberliga überfordert sind. Aber diejenigen, die den Weg mit uns durchgemacht haben, haben von diesem Jahr profitiert und gelernt.
Wie macht sich das nun in der Verbandsliga bemerkbar?
Schmitt: Wir haben Spieler, die gerade einmal 20 Jahre alt sind, aber schon Erfahrungen mitgenommen haben, um jetzt in der Verbandsliga ihren Mann zu stehen. An jungen Spielern wie David Keller, Yannick Schneider, Noureddin Goudar oder auch den längere Zeit verletzt fehlenden Nico Königsmann und Abdullah Köse sieht man die sportliche Entwicklung in eineinhalb Jahren mit weiterem Potenzial. Nach dem kompletten Neuaufbau eines Kaders für die Oberliga hatten wir auch vor dieser Saison eine hohe Fluktuation mit dem Austausch praktisch einer halben Mannschaft. Jetzt hoffen wir, dass wir das Ganze stabilisieren und kontinuierlich weiterarbeiten können.
Sie selbst sowie ihr Trainer- und Betreuerstab haben bereits für die nächste Saison verlängert.
Schmitt: Neben Co-Trainer Deniz Yetkin und mir gehört dazu auch Markus Röcker als weiterer Co-Trainer, der für den Athletikbereich und teilweise die Gegnerbeobachtung zuständig ist und gerade bei Themen wie Regeneration und Reha eine wichtige Komponente für uns ist. Außerdem macht auch Betreuer Tanino Cammilleri weiter und Sven Seiberling ist mit seinen Betreueraufgaben ebenfalls sehr wichtig. Wir sind hier gut aufgestellt und werden im Umfeld auch Stück für Stück besser.
Wie laufen bisher die Spielergespräche für die kommende Runde 2019/20?
Schmitt: Wir bekommen viele positive Signale und von sieben Spielern haben wir bereits die feste Zusage. Das sind unsere drei Torhüter Raul Chira, Johannes Halbig und Stefan Rapp, der auch noch bei den A-Junioren spielen könnte. Damit sind wir auf dieser Position mit den Planungen für die nächste Saison schon durch. Fest zugesagt haben auch schon Aiman Kurt, mit acht Saisontoren unser erfolgreichster Angreifer, Marvin Kaul, Nico Königsmann und Noureddin Goudar.
Wird es auch schon in der Winterpause Veränderungen geben?
Schmitt: Mit Argirios Goulas hatten wir nur eine Vereinbarung bis zur Winterpause. Er schaut sich jetzt nach einem neuen Verein um, wobei wir im Guten auseinandergehen. Bedarf an Zugängen haben wir nicht, unsere Möglichkeiten sind auch ausgeschöpft. Muhammed Çalhanoglu befindet sich nach seinem Kreuzbandriss im Reha-Training und wir hoffen, dass er bis zum Vorbereitungsauftakt am 8. Januar wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Er wäre damit fast ein Neuzugang für uns. Außerdem wollen wir U23-Spieler wie Lennart Binder, Louis Leistikow und Nico Schillinger weiter an den Verbandsliga-Kader heranführen. Und mit Pascal Link haben wir ein großes Talent aus der eigenen Jugend.
Sie sehen sich also auf einem guten Weg?
Schmitt: Ich finde es interessant, dass alle, die uns vor einem Jahr belächelt haben und sich zu Beginn dieser Runde überrascht zeigten, dass wir in der Verbandsliga mithalten können, ganz plötzlich so tun, als seien sie nicht mehr überrascht. Wir waren von unseren Spielern immer überzeugt, auch wenn es bei dem einen oder anderen doch nicht gepasst hat. Und der Weg mit jungen, hungrigen Spielern, die auf einem gewissen Niveau Fußball spielen wollen, ist richtig. Wir müssen ihnen aber auch die Augen aufmachen.
Wie meinen Sie das?
Schmitt: Viele Jungs haben Nachwuchsleistungszentren durchlaufen und von einer großen Karriere geträumt. Jetzt sind sie in der Realität angekommen, was den Fußball betrifft. Die Verbandsliga ist für mich die höchste Amateurliga, wo es auch um andere Dinge als den Sport geht. Jedem ambitionierten Verein muss klar sein, dass ab der Oberliga die Professionalität anfängt und viele Dinge dem Fußball unterzuordnen sind. Unsere jungen Spieler müssen sich auch um Studium oder Ausbildung kümmern und damit im Leben ankommen. Auch dabei wollen wir ihnen über den Fußball hinaus helfen.
In der laufenden Saison stand die TSG 62/09 an allen Spieltagen immer in der oberen Tabellenhälfte und kam nie mit den Abstiegsrängen in Berührung. Der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz ist größer als der Rückstand auf den Tabellenführer. Welches Ziel wird nun für die restlichen 15 Saisonspiele ausgegeben?
Schmitt: Unser internes Ziel war, jeden Spieltag in der oberen Tabellenhälfte zu stehen. Wenn uns das durchgehend gelingt, können wir nicht nur von einer guten, sondern von einer beständigen Saison sprechen. Aber wir haben unsere ersten Punktspiele nach der Winterpause gegen Schwetzingen und Wieblingen, die aktuell auf Abstiegsplätzen stehen. Wenn wir da nicht aufpassen, kann sich die komfortable Situation schnell umkehren. Wir brauchen daher eine gute Wintervorbereitung und müssen gleich wieder hellwach sein, um erst gar nichts aufkommen zu lassen.
Die Weihnachtszeit ist auch die Zeit für Wünsche . . .
Schmitt: Ich wünsche mir, dass alle gesund bleiben und die Jungs in den Spielergesprächen sehen, was sie an unserem Weg haben, und wir das Vertrauen zurückbekommen, das wir selbst geben. bk