Unsere Ausbildungsphilosophie

Systematische Nachwuchsausbildung bei der TSG 1862/09 Weinheim

Primäres Ziel unserer Nachwuchsausbildung ist das Entwickeln von Spielern mit hoher Qualität – wohl wissend, dass wir die Allerbesten nur temporär bei uns halten können (unser persönliches Ziel ist, dass bis zu den C-Junioren kein Spieler wechseln muss). Neben diesen Top-Talenten möchten wir Spieler ausbilden, die mittelfristig den Sprung in unsere 1. Mannschaft schaffen.  Langfristig sollen unsere Eigengewächse den Stamm dieser Mannschaft bilden, die darüber hinaus mit zunehmender Dauer die Qualität des Kaders anheben, sodass sich der Verein im höheren Amateurbereich etablieren kann.

Realisiert werden soll dies durch eine qualitätsvolle und systematische Nachwuchsausbildung, die u.a. auf folgenden Säulen basiert:

  • klare Ausbildungskonzeption
  • qualifiziertes Ausbildungspersonal
  • kleine Mannschaftskader (Ausreichend Spielzeiten; Korrigieren im Detail)
  • unterstützende Maßnahmen (Videoanalyse & Athletiktraining)
  • entwicklungsgemäße Spielphilosophie
  • individuelles Zusatzangebot (Fußballschule)

Ausbildungskonzeption

Damit unsere Spieler am Ende des Juniorenbereichs schnellstmöglich die Anforderungen des Seniorenbereichs bewältigen können ist es aus unserer Sicht notwendig, sowohl die Spielintelligenz als auch die Kreativität in hohem Maße zu entwickeln. Darüber hinaus erfordert unsere auf schneller Ballzirkulation basierende Spielidee in engen Räumen ein herausragendes technisches Niveau, dass v.a. durch sehr schnelle und präzise Ballaktionen gekennzeichnet ist. Demzufolge gehen bei uns – in Anlehnung an das Entwicklungsmodell von Horst Wein – die motorische und die kognitive Entwicklung der Spieler Hand in Hand.

Diese altersübergreifenden Ausbildungsziele werden über den kompletten Ausbildungsprozess in jahrgangshomogenen Mannschaften mit entsprechenden aufeinander abgestimmten Teilzielen entwickelt. Aufgrund der steigenden Spieleranzahl und der damit einhergehenden Zunahme an Komplexität werden die Spieler somit immer entwicklungsgemäß gefordert und dadurch optimal gefördert.

Grundsätzlich gilt, dass bei uns die Spieler lernen, Entscheidungen zu treffen und motorisch umzusetzen, d.h. bei der Entscheidungsfindung übernehmen die Spieler bei uns i.d.R. den aktiven Part und finden die ideale Lösung.

Trainerverhalten

Unterstützt und gesteuert wird der Lernprozess des Entscheidung-Treffens durch unsere Trainer, da sie die Rolle eines Moderators einnehmen, der durch zielführende Fragen die Spieler auf die ideale Lösung bringen soll, d.h.:

  • unsere Trainer stimulieren (durch geeignete Fragen) anstatt zu instruieren
  • unsere Trainer konfrontieren die Spieler mit zu lösende Situationen anstatt ihnen Lösungen für Situationen zu präsentieren

Des Weiteren bilden wir unsere Spieler individuell mit Wettkampftechniken aus dem Repertoire und mit der Methodik von Marcel Lucassen (ehemaliger DFB-Techniktrainer) aus. Darüber hinaus unterstützen unserer Trainer mit Ihrem Verhalten den Aufbau des Selbstvertrauens der Spieler, das für eine effektive Ballkontrolle unter Gegnerdruck notwendig ist.

Konkret bedeutet das, dass die Spieler grundsätzlich darin bestärkt werden, mutig ihre Aktionen durchzuführen, d.h. sie wissen, dass Fehler gemacht werden dürfen – um daraus zu lernen.

Gelenkt wird dieser Entwicklungsprozess durch:

  • gezielte Fragen zu einer konkreten Situation, durch die der Spieler auf die richtige Lösung kommt (falls seine Entscheidung nicht ideal war; s.o.)
  • Korrigieren der Technik im Detail (falls die Entscheidung richtig, die motorische Ausführung aber nicht ideal war)

Damit ein solch intensives Coaching notwendig ist müssen grundsätzlich zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Trainer müssen über die entsprechende Qualität verfügen
    • Unsere Trainer werden regelmäßig (alle 4-6 Wochen) von externen Referenten oder vom Sportlichen Leiter intern fortgebildet
    • Unsere Trainer sind angehalten und werden dabei unterstützt, Trainerlizenzen zu erwerben bzw. sich weiter zu qualifizieren
    • Unsere Trainer werden unterstützt von Experten für spezifische Teilbereiche (z.B. Athletik- und Torwarttraining; Spielanalyse)
  • Die Trainings- und Wettkampfgruppen müssen eine angemessene Größe haben
    • Unser Betreuungsverhältnis in den Leistungsmannschaften liegt maximal bei 10:1, d.h. ein Trainer arbeitet i.d.R. mit höchstens zehn Spielern (vgl. Tab. 1)
    • Im Grundlagen- und Aufbaubereich (F-, E- und D-Junioren) arbeiten wir mit relativ kleinen Kadern, damit alle Spieler entsprechen große Spielanteile erhalten.
    • Bei den E- und D-Junioren sind 1er- (Spieler alter Jahrgang), 2er- (Spieler junger Jahrgang) und 3er-Mannschaften (jahrgangsgemischt) Leistungsmannschaften
      • Durch die Jahrgangsmischung bei der 3er-Mannschaft kann eine möglichst hohe Leistungshomogenität erzielt und somit hohe Anforderungen an die Spieler gewährleistet werden. Dadurch haben die Spieler beste Chancen, bei der Kadervergrößerung (z.B. von den E- zu den D-Junioren) in die 2er-Mannschaft aufzurücken. Des Weiteren ist selbstverständlich eine Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Kadern gegeben, d.h. wenn sich ein Spieler deutlich überdurchschnittlich entwickelt, wird er nach Rücksprache in den Kader einer höheren Kategorie genommen. Dasselbe gilt im umgekehrten Fall.
    • Ab der U14 beginnen wir, herausragende Spieler von anderen Vereinen der Region aktiv anzuwerben. Dabei soll zu den sehr leistungsauffälligen Spielern bereits in den Jahren zuvor Kontakt aufgebaut werden.

Spielkonzeption

Unabhängig von Altersklassen, Spielfeldgrößen und Spieleranzahlen orientiert sich unsere Spielfeldbesetzung an Rauten (bzw. Dreiecken an der Peripherie), sodass jeder Ballbesitzer in der Regel drei Anspielstationen hat (zwei Seitliche und eine in der Tiefe). Das bedeutet, dass sämtlichen Grundformationen (ab den E-Junioren) ein Fünfeck (TW, zwei Aufbauspieler, zwei Außenspieler, ein tiefer Zielspieler; vgl. Abb. 1) zugrunde liegt, das in den verschiedenen Altersbereichen und der damit zusammenhängenden Steigerung der Spieleranzahl zunächst im Zentrum (zwei OM) und später auf den Außenpositionen (zwei AS) ergänzt wird.

Anmerkung: Bei den F-Junioren bildet die Raute (zentraler Aufbauspieler, zwei Außenspieler und ein Zielspieler in der Tiefe) die Basis, da in diesem Altersbereich 5:5 gespielt wird (vgl. Abb. 2).

Durch diese Grundstruktur soll gewährleistet werden, dass der aufgespannte – und damit bespielbare – Raum maximal groß ist und somit die Voraussetzungen für eine effektive Ballzirkulation gegeben sind. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Spieler aus Sicht des Ballbesitzers innerhalb Ihrer Zone so verschieben, dass sie nicht in einer Linie stehen (z.B. OM und MS bei Ballbesitz AV oder DM und ballentfernter AV bei Ballbesitz IV) – hierfür ist der ballentferntere Spieler verantwortlich, da er die komplette Situation überblicken kann .

Tab. 1: Kadergrößen in Trainings- und Wettspielbetrieb

Altersstufe Wettspielbetrieb

(Kadergröße)

Trainingsbetrieb

Betreuungsverhältnis

Besonderheit
Bambini Kein Wettspielbetrieb maximal 10:1 keine
F-Junioren idealerweise 8 maximal 9:1 Jahrgangsgruppe bleibt im Trainingsbetrieb komplett zusammen
E-Junioren idealerweise 12 maximal 7:1 E1/E2 Jahrgangsmannschaften;

E3/E4 gemischt

D-Junioren idealerweise 15 maximal 8:1 D1/D2 Jahrgangsmannschaften

D3/D4 gemischt

C-Junioren idealerweise 18 maximal 10:1 Keine strikte Jahrgangstrennung

à Hochschieben bleibt jedoch die absolute Ausnahme

Ab C1 Leistungsfußball

B-Junioren maximal 20

bis 24, wenn nur eine Mannschaft gemeldet

maximal 12:1 i.d.R. keine Jahrgangsmannschaften mehr
A-Junioren maximal 20

bis 24, wenn nur eine Mannschaft gemeldet

maximal 12:1 Keine Jahrgangsmannschaften mehr

Dieses gruppen- und mannschaftstaktische Verhalten basiert auf der folgenden individuellen fußballspezifischen Handlungsfolge (vgl. DFB), die den Spielern im Rahmen ihrer Ausbildung vermittelt wird:

  • Raumorientiertes Anbieten
  • Auftaktbewegung
  • Vororientierung
  • Offene Stellung
  • Ballaktion
  • Folgehandlung

Spielprinzipien

Von Beginn unserer Ausbildung an gilt der Grundsatz der individuellen und kollektiven Ballkontrolle, d.h. unsere Spieler sind dazu angehalten, das Spiel vom Torwart beginnend mit (überwiegend) flachen Pässen aufzubauen und gezielt zum Abschluss zu bringen. Des Weiteren vermitteln wir, das Spielfeld in Breite und Tiefe optimal zu besetzen (vgl. Abb.1), sodass der für den Gegner zu verteidigende Raum möglichst groß wird und durch eine entsprechend schnelle Ballzirkulation die gewünschten Lücken für Pässe bzw. Dribblings entstehen. Dabei basiert die für eine solche Spielweise notwendige schnelle und zielgerichtete Ballzirkulation neben den technischen Voraussetzungen unserer Spieler auf deren Antizipation, ihrem Gefühl für Räume und deren Entstehung sowie dem Timing ihrer Freilaufbewegung.

bild1

Des Weiteren fordern wir von unseren Spielern ein aggressive Spiel gegen den Ball (insbesondere nach Ballverlust) und ein frühes Angreifen – wohl wissend, dass bei den F- und E-Junioren das fehlende Abseits dieser Vorgehensweise grundsätzlich entgegensteht. Sie werden dadurch mit Situationen konfrontiert (hoch stehend mit einem langen Ball überspielt zu werden), die später in dieser Form nicht mehr auftreten, d.h. unsere Spieler überlernen in dieser Phase das hoch stehende Verteidigen. In Extremfällen (der Gegner lässt einen Stürmer vor unserem Tor stehen) verbleibt unser zentraler Verteidiger bei – räumlich allerdings vor – dem gegnerischen Stürmer und verteidigt ihn zunächst antizipierend und danach ggf. im 1:1.

Fußballschule

Ergänzend zum Mannschaftstraining bieten wir für Spieler im Grundlagenbereich (und perspektivisch im Aufbaubereich) unsere vereinseigene Fußballschule an. Die damit verbundene Zielsetzung ist, die individuelle Entwicklung der Spieler durch ein unter optimalen Rahmenbedingungen durchgeführtes Zusatztraining zu unterstützen.

Die Trainingseinheiten werden von lizenzierten Trainern (mindestens B-Lizenz) mit pädagogischer und/oder sportwissenschaftlicher Zusatzqualifikation geleitet. Darüber hinaus unterstützt ein zweiter Trainer die Trainingsarbeit, sodass ein Trainer mit maximal sechs Kindern arbeitet.

Die Fußballschule findet analog zur normalen Schule ganzjährig statt. Darüber hinaus werden zwei Fußballcamps (jeweils eins in den Oster- und in den Sommerferien) angeboten. Der Lehrplan orientiert sich an der Kinder- und Jugendfußballkonzeption des DFB und wird ergänzt durch Inhalte von Marcel Lucassen (Techniktraining) und Horst Wein (Kreativität & Spielintelligenz).

Konkret geht es dabei um … durch …

  • Entwicklung koordinativer Leistungsvoraussetzungen
    • Bewältigung verschiedenartiger motorischer Anforderungen (z.B. Fangen, Springen, Balancieren etc.)
  • Entwicklung von Schnelligkeit und Gewandtheit
    • Läufe mit bzw. ohne Ball unter Zeit-/Gegnerdruck (z.B. Fangspiele, Staffelwettbewerbe etc.)
  • Entwicklung der (beidbeinig verfügbaren) Grundtechniken
    • Bewältigung herausfordernder Spielsituationen (z.B. 1:1 auf zwei Tore mit Gegner in verschiedenen Positionen – z.B. 2m seitlich versetzt)
    • „Bestrafung“ des falschen Fußes (z.B. Ball wegspitzeln, wenn Dribbling mit dem gegnernahen Fuß)
  • Entwicklung der Spielfähigkeit
    • Lösung spieltypischer Situationen mit anschließend vom Trainer moderierter Reflexion (Warum hat das funktioniert bzw. nicht funktioniert? Was passiert, wenn Du Dich so verhältst? etc.)
  • Entwicklung des Raumgefühls
    • Aufzeigen von Räumen bzw. „Nicht-Räumen“ (Räume, die durch falsches Stellungsspiel zerstört werden), nachdem eine Spielsituation eingefroren wurde
  • Fördern einer proaktiven Spielweise
    • Bestärkung der Spieler zu frühem Angreifen und schneller Balleroberung
  • Entwicklung des Fair Play-Gedanken
    • unmittelbarer Unterbrechung bei unfairem Verhalten

Peter Laudenklos, Sportlicher Leiter der
TSG 1862/09 Weinheim