Ungleiches Duell bleibt lange offen

Ungleiches Duell bleibt lange offen

TSG 62/09 Weinheim hält sich bei der 0:2-(0:1)-Niederlage gegen Spitzenreiter TSG Balingen achtbar / Torjäger Yigzaw Tesfagaber wechselt zum VfR Mannheim

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 30. April 2018

Weinheim. Sie haben sich achtbar aus der Affäre gezogen. Die Oberliga-Fußballer der TSG 62/09 Weinheim mussten am Samstag zwar die erwartete Heimniederlage hinnehmen. Doch das Schlusslicht präsentierte sich im Duell mit dem Spitzenreiter TSG Balingen keinesfalls so chancenlos, wie es von den meisten erwartet worden war. Das 0:2 (0:1) spiegelte unter dem Strich die Kräfteverhältnisse wider, es bedeutete aber auch, dass die Weinheimer zumindest an diesem Tag nicht allzu weit vom großen Favoriten entfernt waren. Zwischendurch hallten sogar „TSG“-Anfeuerungsrufe durch das Sepp-Herberger-Stadion. Das hatte es lange nicht gegeben. Intoniert wurde das Ganze allerdings von den Balinger Fans, die fast die Hälfte der 90 Zuschauer stellten.

„Unsere Mannschaft hat nach dem ganz schwachen Spiel in Freiberg gegen Balingen die richtige Reaktion gezeigt“, lobte Trainer Christian Schmitt den mutigen Auftritt der Gastgeber. „Wir haben dem kommenden Regionalligisten eine gute Partie geboten.“ Auf der anderen Seite haderte Gäste-Trainer Ralf Volkwein auch mit dem Verletzungspech des Tabellenführers. Mit Kaan Akkaya (10.) und Fabian Fecker (18.) mussten zwei Balinger schon sehr früh ausgewechselt werden. Kurz vor der Pause gesellte sich noch Fabian Kurth hinzu (45.). „Die ersten zehn bis 15 Minuten waren wir gut im Spiel drin. Nach den Ausfällen mussten wir aber unser System umstellen und es kam zum Bruch im Spiel“, sagte Volkwein.

Sicher war es für die Gäste auch nicht leistungsfördernd, dass sie bei der Anreise lange im Stau standen und bedingt durch eine Vollsperrung auf der Autobahn erst verspätet eintrafen. Das gleiche Schicksal ereilte übrigens das Schiedsrichtergespann aus Neuhausen/Fildern. Das traf erst um 15.02 Uhr im Sepp-Herberger-Stadion ein, weshalb das Spiel mit 20 Minuten Verspätung angepfiffen wurde.

Erste Abgänge

Die Weinheimer begannen mit Torjäger Yigzaw „Gisi“ Tesfagaber im Sturmzentrum, der erstmals seit mehreren Wochen wieder in die Startelf rückte. Inzwischen steht der bisher erfolgreichste Weinheimer Oberliga-Torschütze als erster Abgang nach dieser Saison fest. Der 21-Jährige mit eritreischen Wurzeln wechselt zum VfR Mannheim, der in der Verbandsliga noch um den Aufstieg kämpft. Und noch auf einen weiteren Eckpfeiler der aktuellen Mannschaft muss die TSG in der kommenden Runde verzichten – auf jeden Fall bis zur Winterpause. Kapitän Kai Engel, einzig verbliebener Spieler aus dem letztjährigen Verbandsliga-Meisterkader, beginnt im August ein Auslandssemester im kalifornischen San Diego und wird erst kurz vor Weihnachten wieder nach Deutschland zurückkehren. Ob Georgios Roumeliotis den Weinheimern erhalten bleibt, steht noch nicht fest. „Ich weiß noch nicht, wo ich nächste Saison spielen werde, mir liegen zwei, drei Angebote vor“, sagte der Abwehrchef.

Roumeliotis zeigte auch gegen Balingen, wie wichtig er als Stabilisator für das Weinheimer Spiel ist. Zwar legten die Gäste von der ersten Minute an sehr druckvoll los und hatten durch einen Kopfball des herausragenden Innenverteidigers Manuel Pflumm nach einer Ecke eine gute Chance zum Führungstreffer (10.). Doch mit dem ersten Konter fassten die Weinheimer Mut, als Abdullah Köse per Flachschuss knapp das Ziel verfehlte (17.).

Nach einer weiteren Ecke für Balingen und einem Kopfball von Torjäger Patrick Lauble klärte Außenverteidiger Dennis Meis noch auf der eigenen Linie (26.). Kurz vor der Pause avancierte der Weinheimer aber zur tragischen Figur. Meis unterlief ein folgenschwerer, individueller Fehler. Balingen nutzte den Ballverlust zum 0:1 durch Lauble (45.). „Das war für uns ein Geschenk“, sagte Gäste-Trainer Volkwein. Meis blieb dann in der Pause draußen, für ihn kam Kai Engel in der zweiten Halbzeit zum Einsatz.

Trotz der Rückschlags unmittelbar vor dem Seitenwechsel ließen die Gastgeber die Köpfe nicht hängen und boten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den Balingern ordentlich Paroli. Yannick Schneider, dessen Schuss Gäste-Torwart Julian Hauser parierte (49.), und Roumeliotis, der bei einem Kopfball nach einer Ecke von Köse nicht genug Druck hinter den Ball brachte (60.), hätten sogar für den Ausgleich sorgen können. Anschließend entwickelte der Tabellenführer wieder etwas mehr Druck, ohne aber wirklich zwingend zu sein. So blieb die Partie bis in die Schlussphase hinein eng. Eine Riesenchance der Gäste vertändelte allerdings Vogler (86.). Die Entscheidung fiel in der zweiten Minute der Nachspielzeit, als Lauble ein Zuspiel von Lukas Foelsch eiskalt zum 0:2 verwertete. Danach pfiff der Schiedsrichter die Partie erst gar nicht mehr an.

Gäste-Trainer Volkwein zollte dem Schlusslicht seinen Respekt: „Auch wenn es tabellarisch nicht so aussieht, Weinheim hat eine gute Entwicklung genommen.“ Ein Kompliment, das seinen Trainerkollegen Schmitt aufrichtig freute. bk

TSG 62/09 Weinheim: Cetin; Königsmann (61. Yahaya), Roumeliotis, Glässer, Meis (46. Engel), Bunjaku, Goudar (70. Friedrich), Keller, Schneider, Köse (80. O. Gärtner), Tesfagaber.

Tore: 0:1 Lauble (45.), 0:2 Lauble (90.+2).

Beste Spieler: Köse, Roumeliotis – Pflumm, Lauble.

Zuschauer: 90.

Bilder zum Spiel:

https://www.tsg6209weinheim.de/leistungsmannschaften/1-mannschaft/bildergalerie-1-mannschaft/