Da ist noch ganz viel Luft nach oben

Da ist noch ganz viel Luft nach oben

TSG 62/09 Weinheim und SV 98 Schwetzingen trennen sich nach spielerischer Magerkost im Verbandsliga-Duell mit einem gerechten 1:1 vor 130 Zuschauern

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 23. August 2018

Weinheim. Nach der suboptimal gelaufenen Vorbereitung war Christian Schmitt, Trainer des Fußball-Verbandsligisten TSG 62/09 Weinheim, skeptisch, was den Saisonstart angeht. Er sollte recht behalten. Mit dem 1:1 (1:0) gegen den SV 98 Schwetzingen haben die Weinheimer nach drei Spielen zwar fünf Punkte auf dem Konto, doch spielerisch ist da noch nichts zu sehen von dem, was der Coach eigentlich von seiner Mannschaft sehen möchte. Im „Derby“ gestern gab es sogar noch weniger als zuletzt beim 3:3 in Durlach, wo wenigstens die zweite Halbzeit zufriedenstellte. Gut nur: Schwetzingen erging es nicht anders. Auch die Mannschaft von Trainer Gernot Jüllich bot den 130 Zuschauern im Sepp-Herberger-Stadion fußballerisch wenig, auch wenn der Kampf stimmte. So war es ein Unentschieden, mit dem letztlich beide Teams leben konnten beziehungsweise mussten.

Schmitt: „Sind noch nicht soweit“

„Schon die erste Halbzeit war nicht gut, aber nach der Pause konnte man von Niveau gar nicht mehr reden“, sagte Schmitt dann auch nach einer gepfefferten Ansprache an die Mannschaft nach dem Abpfiff. „Wir haben kaum mehr den Ball zum Mann gebracht und dann auch noch schlecht verteidigt. Schwetzingen hat sich den Punkt hoch verdient.“ Die fünf Punkte sieht der Weinheimer Trainer relativ: „Beim Punkt in Durlach haben wir Moral gezeigt. Aber weder Heidelberg noch Schwetzingen werden am Ende vorne stehen. Wir brauchen einfach noch etwas, bis wir uns gefunden haben.“

Dabei starteten die Weinheimer nicht schlecht, machten Druck und gingen durch Abdullah Köse nach Einwurf von Patrick Morscheid in der 12. Minute schon in Führung. Morscheid und Mehmet Batur blieben auf der linken Seite auch weiter gefährliche Vorbereiter, doch weder der als Kapitän aufgelaufene Kristijan Vidakovic noch Gianluca Lucchese konnten das 2:0 nachlegen und Schwetzingen witterte seine Chance. In den letzten fünf Minuten vor der Pause hatte allein Patrick Hocker drei Gelegenheiten, die ungenutzt blieben.

Kurz vor dem Pausenpfiff streifte noch ein 22-Meter-Freistoß von Yannick Schneider die Schwetzinger Torlatte. Es sollte die letzte echte Weinheimer Torchance im gesamten Spiel bleiben.

An Strafraumgrenze ist Schluss

Direkt nach der Pause köpfte erneut Hocker eine Flanke von rechts nur an den Pfosten und drückte weiter. Zwar versuchte Weinheim – aus dem eher an „Tipp-Kick“ erinnernden Mittelfeld-Schlagabtausch – auch nach vorne zu spielen, doch an der Strafraumgrenze war Schluss. Wenn die Bälle mal präzise kamen, spielten die Weinheimer so lange hin und her, bis Schwetzingens Abwehr wieder stand.

Folgerichtig kassierte die TSG 62/09 auch den Ausgleich. Kurz nachdem Köse einen Ballverlust an der Mittellinie per Konter nicht im Schwetzinger Tor unterbrachte, war es der Ex-Weinheimer Christoph Jüllich, der sich im Dreikampf gegen Vidakovic und Torwart Raul-Lucian Chira zum 1:1 durch setzte (77.). Am Ende hatte Alessandro Scalia nach Vorarbeit des agilen Patrick Hocker sogar noch die Chance zum Gästesieg, doch sein Distanzschuss in der Nachspielzeit strich über das Weinheimer Tor.

Schwetzingen konnte am Ende mit dem Punkt dennoch eher leben als die Gastgeber. „Meine Mannschaft hat alles gegeben und hat sich das Unentschieden verdient. Aber das nächste Vierteljahr wird hart für uns werden“, sagte Gästetrainer Gernot Jüllich, der bereits in der 8. Minute seinen „Chef auf dem Platz“ verlor. Alexander Dirks zerrte sich den Oberschenkel und musste raus. Mit Sergen Sertdemir kam der einzige Nicht-A-Jugendliche von der Bank auf den Platz. Und der wiederum kam direkt vom Flughafen.

Die Personalprobleme zu Saisonbeginn haben offenbar alle Vereine, das zeigen auch kuriose Ergebnisse der ersten Spieltage. Nur der VfB Gartenstadt und die U23 des SV Sandhausen scheinen derzeit ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden, der VfB ist der nächste Gegner der Schwetzinger am Sonntag. Weinheim muss nach Wieblingen. AT

TSG 62/09 Weinheim: Chira, Bunjaku (77. Romagnolo), Köse, Goudar, Yücel (61. Batur), Schneider, Vidakovic, Keller, Kuhn, Morscheid, Lucchese (46. Kurt).

SV 98 Schwetzingen: Ullrich, Berecko, Dirks (8. Sertdemir), Hocker, Jüllich, Kettenmann, Dia (87. Gregg), Scalia, T. Can, J. Can (84. Dorn), Örum.

Schiedsrichter: Christian Schäffner (Bruchsal).

Zuschauer: 130.

Tore: 1:0 Köse (12.), 1:1 Jüllich (76.).

Beste Spieler: Chira – T. Can.

Besonderes Vorkommnis: Weinheims Co-Trainer Yetkin muss nach Fordern einer Karte auf die Tribüne.