Schrecken findet noch ein gutes Ende

Schrecken findet noch ein gutes Ende

TSG 1862/09 erkämpft sich nach katastrophaler ersten Halbzeit zumindest ein 2:2(0:2) gegen TuS Bilfingen/Yannick Schneider bringt die Wende

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 25. März 2019

Weinheim. Nördlich der Umkleidekabinen im Sepp-Herberger-Stadion sind die Bagger angerollt. Neben den Fahrzeugen geben hoch aufgeschüttete Erdwälle einen ersten Eindruck von den beginnenden Arbeiten für das neue Schulzentrum Weststadt. Abgeriegelt ist das Areal von einer langen Reihe Bauzäune. Ein Anblick, den die Fußballer der TSG 62/09 Weinheim beim Verlassen ihrer Umkleiden in den vergangenen Tagen vielleicht ein wenig zu sehr verinnerlicht haben. Denn auch ihr Punktspiel in der Verbandsliga glich am Samstag einer Riesenbaustelle – zumindest eine Halbzeit lang.
Nach einer besorgniserregend schwachen Vorstellung im Heimspiel gegen den Tabellendreizehnten TuS Bilfingen lagen die Gastgeber zur Pause gegen einen keinesfalls überzeugend auftretenden Kontrahenten mit 0:2 in Rückstand. Bis zu diesem Zeitpunkt mangelte es den Weinheimern an allem, was eine siegeshungrige Mannschaft ausmacht. Die rund 80 Zuschauer sahen auf dem Hauptrasenplatz im Sepp-Herberger-Stadion die wohl schlechteste Halbzeit des jungen TSG-Teams in dieser Saison.
Der Trainer wird richtig laut
Da musste „Polier“ Christian Schmitt schon ganz tief in die Motivationskiste greifen, um die Chaos-Baustelle aufzuräumen. Immerhin gelang das dem TSG-Trainer. Nach einer taktischen Umstellung zur zweiten Halbzeit und einer entscheidenden personellen Veränderung präsentierten sich die Weinheimer fortan komplett verwandelt und schnappten sich am Ende beim 2:2-Unentschieden wenigstens noch einen wichtigen Punkt. „Ich bin diesmal richtig laut geworden“, beschrieb Schmitt nach der Partie seine Halbzeitansprache. „Die erste Halbzeit war ganz übel mit einem 0:2 gegen einen im Grunde destruktiven Gegner.“ Auch TSG-Kapitän Kristijan Vidakovic wollte die leblose Darbietung bis zur Pause nicht verharmlosen. „Die erste Halbzeit war furchtbar, schon beim Warmmachen vor dem Spiel waren wir nicht richtig bei der Sache. Aber dann hat unser Trainer die richtigen Worte gefunden. In der zweiten Halbzeit haben wir ein ganz anderes Gesicht gezeigt, sind dann als Team aufgestanden und haben auch den nötigen Willen gezeigt.“
Davon war bis zum Seitenwechsel nichts zu spüren. Mit dem ersten zügigen Angriff der Partie ging Bilfingen prompt in Führung. Linksverteidiger Kevin Stoitzner hatte auf der rechten TSG-Abwehrseite viel zu viel Platz und legte den Ball seelenruhig ins Strafraumzentrum. Sascha Mörgenthaler kam angesprintet und schob mühelos zum 0:1 ein (8.).
In der Folge hatte die TSG zwar mehr Ballbesitz, erwies sich im Spiel nach vorne aber völlig ohne Durchschlagskraft. Da machte sich das verletzungsbedingte Fehlen der offensiven Kreativkräfte Abdullah Köse und Marvin Kaul deutlich bemerkbar. Und mit Yannick Schneider saß ein weiterer Leistungsträger aus taktischen Gründen zunächst nur auf der Bank. So kamen die Weinheimer in der ersten Halbzeit nur zu drei Halbchancen durch einen Kopfball von David Keller (18.), einem völlig verunglückten Schussversuch des sehr unglücklich agierenden Gianluca Lucchese (23.) und einem Abschluss ans Außennetz von Muhammed Çalhanoglu (45.+3). Auf der Gegenseite reichte den Gästen ein Standard, um ihre Führung auszubauen. Einen Eckball von TuS-Spielertrainer Dejan Svjetlanovic verwertete der nicht gerade hünenhafte Robin Müller unbedrängt per Kopf zum 0:2 (32.).
„Immerhin ist es unserer Mannschaft hoch anzurechnen, dass sie in der zweiten Halbzeit den Kampf angenommen hat“, sagte Trainer Schmitt. „Das Unentschieden haben wir uns noch verdient. Mehr als ein Punkt wäre aufgrund der ersten Halbzeit aber auch nicht in Ordnung gewesen.“ Schmitt stellte zu Beginn der zweiten Halbzeit auf Dreierkette um und brachte Offensivkraft Yannick Schneider für Verteidiger Nico Königsmann. Maßnahmen, die Früchte trugen. „Wir hatten von Beginn an den Gedanken, dass wir mit Yannick noch einen Spieler von der Bank bringen können, der etwas bewegt“, begründete der TSG-Trainer seine Taktik.
Die Moral bringt noch einen Punkt
Zwar besaßen die Gäste noch eine Großchance, als Nikola Milicevic aus kurzer Distanz das mögliche 0:3 und damit wohl die Vorentscheidung vergab (51.). Doch ansonsten war Bilfingen in der zweiten Halbzeit nur noch auf Ergebnishalten aus, überließ der TSG komplett die Initiative und wurde dafür am Ende bestraft. Einer Kopfballchance von Aiman Kurt (63.) folgte der 1:2-Anschlusstreffer, als der eingewechselte Schneider eine Ecke von Georgios Goulas einnickte (65.). Mit einem kernigen 25-Meter-Freistoß zwang Çalhanoglu TuS-Torwart Bünyamin Karagöz zu einer Glanzparade (75.) ebenso wie Goulas nach einem indirekten Freistoß von der Strafraumkante (87.). Nach exakt 90 Minuten traf Schneider zum verdienten 2:2. Ein als Flanke gedachter Ball von Dennis Meis landete an der Latte und Schneider staubte ab. „Das war noch ein immens wichtiger Punkt“, freute sich der Doppeltorschütze. „Damit haben wir den Vorsprung auf Bilfingen gehalten. In der zweiten Halbzeit hat die Moral gestimmt und wir haben zumindest Schadensbegrenzung betrieben.“ Die Erinnerung an die Baustelle erste Halbzeit bleibt dennoch haften. bk

TSG 62/09 Weinheim: Chira; Goudar (90.+4 Acik), Vidakovic, Bunjaku, Königsmann (46. Schneider), Keller, Kuhn (80. Romagnolo), Goulas, Lucchese (62. Meis), Çalhanoglu, Kurt.
Tore: 0:1 Mörgenthaler (8.), 0:2 Müller (32.), 1:2 Schneider (65.), 2:2 Schneider (90.).
Zuschauer: 80.

Bilder zum Spiel:

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