Ärger ist gross, Empörung noch grösser

Ärger ist gross, Empörung noch grösser

TSG 62/09 verliert gegen Eppingen mit 1:2(0:2) und hadert mit verbaler Entgleisung des Schiedsrichter-Assistenten/ Drei weitere Zugänge

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 06.Mai 2019

Weinheim. Es gab gute Gründe für die Verbandsliga-Fußballer der TSG 62/09 Weinheim, sich am Samstag zu ärgern. Über die 1:2-Heimniederlage gegen den VfB Eppingen, über die völlig verschlafene Anfangsphase oder über die vergebenen Chancen, deren konsequentere Verwertung durchaus ein Remis ermöglicht hätte. Doch das alles rückte letztlich in den Hintergrund. Denn etwas ganz anderes rief echte Empörung hervor.
Etwas, das im Sport stets zurückhaltend-reflektiert hinterfragt werden sollte, was diesmal aber einfach die Stimmungs- und Gefühlslage maßgeblich beeinflusste: das Verhalten des Schiedsrichtergespanns. Die verbale Entgleisung eines Assistenten an der Seitenlinie brachte TSG-Trainer Christian Schmitt in Rage und völlig aus der Fassung. In der 61. Minute verweigerte Schiedsrichter Andreas Reuter nach einem klaren Foulspiel an Marvin Kaul im Eppinger Strafraum den Weinheimern einen Elfmeter. „Klar haben wir uns über diese Fehlentscheidung aufgeregt, aber wir haben dabei niemanden beleidigt“, schilderte Schmitt die Szene, bevor einer der Schiedsrichter-Assistenten auf ihn zueilte. Der habe den TSG-Trainer dann angeblafft: „Halten Sie die Klappe!“, worauf Schmitt prompt mit den Worten reagierte: „Wie reden Sie denn mit mir.“ Nach dem Spiel stapfte der TSG-Trainer immer noch sichtlich mitgenommen zusammen mit dem Schiedsrichter-Gespann in Richtung Kabinen und wollte die Unparteiischen in Bezug auf ihr Verhalten zur Rede stellen. Eine Antwort erhielt er nicht.
„Schiedsrichter fordern zu Recht immer wieder Respekt gegenüber ihrer Person ein. Aber dann müssen sie sich auch selbst so verhalten. Was sich der Assistent gegenüber mir erlaubt hat, war einfach respektlos“, schüttelte Schmitt den Kopf. „Keinesfalls suchen wir den Grund für unsere Niederlage gegen Eppingen bei den Schiedsrichtern. Daran waren wir selbst schuld und müssen uns an die eigene Nase fassen. Aber wir können auch nicht jedes Verhalten unkommentiert hinnehmen.“
Sich auf die Analyse des sportlichen Geschehens zu konzentrieren, fiel den Weinheimern aufgrund der Vorfälle nicht einfach. Unbestritten war, dass sich die Gastgeber nicht zum ersten Mal in dieser Saison ein frühes Gegentor einfingen und bereits nach 122 Sekunden Spielzeit einem Rückstand hinterherlaufen mussten. Der Eppinger Tobias Zakel nutzte die Unordnung in der TSG-Defensive beim ersten Angriff der Partie prompt zum 0:1 (3.). Kurz darauf hätte Cristiano Vieira Alves beinahe sogar den zweiten VfB-Treffer nachgelegt (8.).
Weinheim agierte in der ersten Halbzeit in der Offensive teilweise mit vier Angreifern auf vorderster Linie, Torgefahr entstand durch die hohe Präsenz indes kaum. Einmal hatte die TSG allerdings großes Pech, als Yannick Schneider nach einem guten Zuspiel von Georgios Goulas in die Spitze schneller am Ball war als VfB-Torwart Kai Sauer, der Abschluss von Schneider landete aber an der Latte (29.). Zehn Minuten später verzog Abdullah Köse eine Volleyabnahme. Zum denkbar ungünstigsten Moment aus Sicht der Gastgeber erhöhte der abgezockte VfB-Kapitän Alexander Rudenko kurz vor der Pause gegen eine weit ausgerückte TSG-Elf mit einem geschickten Heber auf 0:2 (41.).
Mit mehr Elan und Zielstrebigkeit und dem eingewechselten Marvin Kaul startete Weinheim in die zweite Halbzeit. Nach Vorlage von Aiman Kurt besaß Kaul dann auch die Riesenchance zum Anschlusstreffer, als er aus kurzer Distanz den Ball neben den Pfosten setzte (49.). Es folgte die umstrittene Elfmeterentscheidung zuungunsten von Kaul (61.) und die Emotionen nahmen zu. Noch einmal hatten Kaul und Kurt das 1:2 auf dem Fuß (74.), ehe wiederum Kurt mit der Glücksgöttin haderte, als sein 16-Meter-Schuss die Latte touchierte (78.).
Dann brachte VfB-Verteidiger Maurice Lange an der eigenen Strafraumgrenze Kurt zu Fall. Der Schiedsrichter zeigte zunächst auf den Elfmeterpunkt, verlegte nach Rücksprache mit seinem Assistenten den Tatort jedoch außerhalb des Strafraums und gab nur Freistoß. Den zirkelte Muhammed Çalhanoglu dennoch zum 1:2 in die Maschen (89.). Dabei blieb es aber in einer sehr hitzigen Schlussphase.
Einer bleibt, drei Neue kommen
Derweil gibt es bei der TSG 62/09 mit Blick auf die neue Saison gute Nachrichten. Çalhanoglu ist jetzt der 15. Spieler aus dem aktuellen Kader, der für ein weiteres Jahr verlängert hat. Zudem stehen drei weitere Zugänge fest. Mit Luigi Crisafulli und Dominik Knauer (beide Jahrgang 1999) kommen zwei junge Talente vom hessischen Verbandsligisten Eintracht Wald-Michelbach. Und mit Behcet Öztürk erhält die TSG einen weiteren spielenden Co-Trainer, der aktuell beim Kreisligisten 1. FC Wiesloch aktiv ist. Öztürk spielte bereits in der Saison 2012/13 in Weinheim, danach für ET Wald-Michelbach und SV Unter-Flockenbach und verfügt damit über reichlich Verbandsliga-Erfahrung. bk
TSG 62/09 Weinheim: Chira; Königsmann (57. Kuhn), Vidakovic, Bunjaku (66. Çalhanoglu), Morscheid (74. Meis), Keller, Goulas, Goudar, Schneider, Köse (46. Kaul), Kurt.
Tore: 0:1 Zakel (3.), 0:2 Rudenko (41.), 1:2 Çalhanoglu (89.).
Zuschauer: 60.

Bilder zum Spiel:

https://www.tsg6209weinheim.de/leistungsmannschaften/1-mannschaft/bildergalerie-1-mannschaft/