Fussballer der Woche: Höhenflug vor dem endgültigen Abflug

Fussballer der Woche: Höhenflug vor dem endgültigen Abflug

Matthias Kuhn vom Verbandsligisten TSG 62/09 Weinheim ist für Defensivarbeit zuständig, zuletzt aber avancierte der Jungspund zum Torjäger

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 22.Mai 2019

Weinheim. „Das gab es noch nie, dass ich in zwei Spielen hintereinander getroffen habe“, blickt Matthias Kuhn begeistert auf sein jüngstes Wirken im Dress der TSG 62/09 Weinheim. Eigentlich ist der 19-Jährige, der sein erstes Jahr bei den Herren bestreitet, seit seinem Wechsel im Sommer aus der Jugend des SV Waldhof Mannheim zum Oberliga-Absteiger vornehmlich mit Defensivaufgaben betraut. In den vergangenen beiden Partien aber hat Kuhn das Wohltun des Toreschiessens für sich entdeckt – und mit seinen Treffern obendrein entscheidend zu den jüngsten Erfolgen des Verbandsligisten beigetragen.
Nach dem Premierentor beim 3:1-Sieg bei Astoria Walldorf II, wo er das wichtige 2:1 markiert hatte, brachte Kuhn seine Weinheimer auch im zurückliegenden Spiel mit seinem Tor auf Kurs. Der aufgerückte Innenverteidiger köpfte eine Ecke zum 1:0 ein. Kurz darauf legte Muhammed Calhanoglu gegen Fortuna Heddesheim das 2:0 nach, das auch nach den 90 Derby-Minuten Bestand hatte. „Wir haben auf jeden Fall verdient gewonnen. Heddesheim war in meinen Augen sogar erschreckend schwach“, sagt unser Fußballer der Woche.
Kuhn selbst hat vor seinem jüngsten Höhenflug auch schon negative Seiten seit dem Sprung zu den Aktiven erlebt. Denn vor seinen beiden Toren hatte er sich immerhin schon zwei Mal einen Platzverweis eingehandelt. „Ich bin eigentlich von Anfang an gut reingekommen, habe aber teilweise auch Lehrgeld bezahlt“, räumt Kuhn ein.
Was die körperliche Härte angeht, herrsche in der Verbandsliga ein signifikanter Unterschied zu dem, was er zuvor im Jugendbereich beim SV Waldhof erlebt hat. Mit dem Mannheimer Nachwuchs spielte Kuhn eine starke Vorsaison, holte in der A-Junioren-Oberliga acht Siege in Folge mit seinem Team, das dem späteren Bundesliga-Aufsteiger Stuttgarter Kickers dadurch im Endspurt noch gefährlich auf die Pelle rückte. „Wir sind da letztlich nur zwei Punkte am Aufstieg vorbeigeschrammt. Dennoch war es für uns ein schöner Erfolg“, sagt Kuhn, der im letzten B-Jugendjahr von seinem Heimatverein TSV Amicitia Viernheim zum SV Waldhof gewechselt war.
Bald wird Kuhn dann allerdings ganz woanders spielen – nämlich in den USA, genauer gesagt: in New York. Der 19-jährige Student erhält ein Stipendium für das dortige Mercy College, wo er neben dem Fußball sein Studium im Bereich Wirtschaft fortsetzen wird. „Das ist natürlich schon aufregend. Für mich wird es das erste Mal außerhalb von Europa sein“, sagt Kuhn, der sich Anfang August in die Staaten begibt. Bis es so weit ist, möchte er in den zwei verbleibenden Partien für die TSG Weinheim nochmals alles geben – und nach Möglichkeit seinen jüngsten Lauf weiter fortsetzen. Einen Lauf hat auch Kuhns älterer Bruder Christian: Der 23-Jährige hat mit dem VfB Gartenstadt die Meisterschaft in der Verbandsliga längst sicher. „Wir haben als Kinder früher immer zusammen gekickt. Mir hat das sehr geholfen, mit Älteren zu spielen“, sagt der jüngere Bruder.
Was die Duelle der beiden mit ihren Teams angeht, steht es übrigens unentschieden: Während Weinheim das Hinspiel 1:0 gewann, setzte sich Gartenstadt im Rückspiel zuhause mit 3:1 durch. Und auch in Sachen Tore steht es mittlerweile 2:2 zwischen den beiden, wobei der Trend für den jüngeren Matthias spricht, der seine Treffsicherheit beim VfR Mannheim dann ja vielleicht erneut unterstreicht. dbe

Zur Person

Aktuell wohnt Matthias Kuhn noch bei seinen Eltern. In New York wird er dann in einer Wohngemeinschaft mit anderen Fußballspielern vom Mercy College zusammenleben.

Neben dem Fußball geht der 19-jährige Bayern-Fan regelmäßig ins Fitnessstudio, verbringt Zeit mit seiner Freundin oder zieht mit Freunden um die Häuser.

Matthias begann bereits im Alter von drei Jahren beim TSV Amicitia Viernheim mit dem Kicken – nicht zuletzt wegen seines vier Jahre älteren Bruders Christian. „Er war natürlich schon ein Vorbild für mich.“