Ein Triumph von Herz und Leidenschaft

Ein Triumph von Herz und Leidenschaft

TSG 62/09 Weinheim zwingt den FV Fortuna Heddesheim im Verbandsliga-Derby verdient mit 3:2 (2:1) in die Knie / Gäste kommen nur durch Elfmeter zu Toren / Fortuna-Trainer Jörns ist sauer

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 23. September 2019

Weinheim. Die Rückkehr ins Sepp-Herberger-Stadion ist für Dirk Jörns alles andere als eine Erfolgsgeschichte. 2017 feierte er in Weinheim mit der TSG 62/09 noch die Meisterschaft in der Fußball-Verbandsliga. Im Jahr darauf kam Jörns als Trainer des VfB Gartenstadt erstmals zurück an seine alte Wirkungsstätte und kassierte eine Niederlage. Nicht besser erging es dem neuen Trainer des FV Fortuna Heddesheim am Sonntag. Reichlich angefressen reagierte Jörns, als die Weinheimer im Rahmen ihres Oktoberfests vor rund 300 Zuschauern im Sepp-Herberger-Stadion einen verdienten 3:2-(2:1)-Sieg bejubelten. „Wir waren nicht gut und die TSG hat aus wenig viel gemacht“, meinte Jörns, um dann seinem Ärger über das Schiedsrichtergespann freien Lauf zu lassen. „Die Unparteiischen waren einfach schwach und haben der TSG zu viel durchgehen lassen“, sagte Jörns, der selbst in der Schlussphase der Partie wegen lautstarker Beschwerden von Schiedsrichter Sascha Kief die gelbe Karte gezeigt bekam. Auch Fortuna-Spielleiter David de Vega hatte mit den Referees am Ende ein Hühnchen zu rupfen.

Dabei schien das Verhalten der Heddesheimer Verantwortlichen allerdings eher von den Unzulänglichkeiten der eigenen Mannschaft ablenken zu wollen. Während die Heddesheimer zu keinem Zeitpunkt dem Anspruch eines Aufstiegskandidaten gerecht wurden, warfen die Weinheimer Herz und Leidenschaft in die Partie – und das fast immer im erlaubten Rahmen. Daher ging das Ergebnis auch vollauf in Ordnung. „Ich will im Moment nicht viel sagen, wir spielen einfach schlecht“, rang Fortuna-Innenverteidiger Timo Gebhardt um Worte. Ausgerechnet dem Ex-Weinheimer war in der 58. Minute ein Eigentor zum vorentscheidenden 3:1 für die TSG unterlaufen. Zuvor hatte Behcet Öztürk mit einem indirekten Freistoß im Heddesheimer Strafraum nach einer allerdings wahrlich sehr zweifelhaften Rückpass-Entscheidung des Schiedsrichters die Gastgeber in Führung gebracht (18.). Nach einer Riesenchance für Aiman Kurt, dessen Schuss und der anschließende Abpraller gleich zweimal am Pfosten landeten (23.), erhöhte Georgios Goulas per Kopfball nach einer Ecke von Öztürk auf 2:0 (33.). Die beiden Heddesheimer Gegentore resultierten jeweils aus einem Foulelfmeter. Zuerst brachte TSG-Verteidiger Luigi Crisafulli den Ex-Weinheimer Andreas Adamek zu Fall – der Gefoulte selbst verwandelte den Strafstoß zum 2:1-Pausenstand (42.). Kurz vor Schluss, als das Spiel beinahe schon komplett eingeschlafen war, holte Marko Smiljanic aus – und Izeddine Noura hob ab. Den Elfmeter versenkte Cihad Ilhan, der am Samstagabend Vater geworden war, mit viel Glück zum 3:2. TSG-Torwart Stefan Rapp hatte noch die Hände am Ball (83.). Anschließend fiel den Fortunen – wie über weite Phasen der zweiten Halbzeit – nichts mehr ein, die TSG brachte mit ihrer stabilen Fünferkette den Vorsprung letztlich ungefährdet nach Hause.

„Das war ein hochverdienter Sieg“, sagte TSG-Trainer Christian Schmitt. „Wir haben kaum ein kontrolliertes Spiel der Fortuna zugelassen, die es meist nur mit langen Bällen probierte. Und darauf haben wir uns nach einer taktischen Umstellung in der zweiten Halbzeit gut eingestellt.“ Zwar mussten die Weinheimer kurzfristig auf Abwehrchef und Kapitän Kristijan Vidakovic verzichten, doch dafür sprangen der herausragende Lorik Bunjaku gegen seinen Ex-Klub und der erstmals als Innenverteidiger aufgebotene Marko Smiljanic bravourös in die Bresche. „Wir wollten den Sieg einfach mehr, das hat man auch auf dem Platz gesehen“, freute sich Bunjaku über den TSG-Coup. Und Kai Engel lobte die Coolness der jungen Weinheimer Mannschaft. „Das 2:1 durch den ersten Elfmeter kurz vor der Pause war zwar sehr ärgerlich, trotzdem hatten wir in der zweiten Halbzeit das Geschehen weitgehend im Griff.“ Und in der ersten Halbzeit war zweimal auch auf TSG-Torwart Rapp Verlass. bk

TSG 62/09 Weinheim: Rapp; Goudar, Bunjaku, Smiljanic, Crisafulli (90.+2 Meis), Knauer, Goulas, Can (88. Romagnolo), Engel, Öztürk (90. Smajlovic), Kurt (74. Kaul).

Tore: 1:0 Öztürk (18.), 2:0 Goulas (33.), 2:1 Adamek (42., Foulelfmeter), 3:1 Gebhardt (58., Eigentor), 3:2 Ilhan (83., Foulelfmeter).

Beste Spieler: Bunjaku, Goulas, Öztürk – Feigenbutz.

Zuschauer: 300 (inklusive Oktoberfestbesucher).

Bilder zum Spiel:

https://www.tsg6209weinheim.de/leistungsmannschaften/1-mannschaft/saison-20192020/