Um Kilo und Sorgen reicher

Um Kilo und Sorgen reicher

Darko Vucic, Abteilungsleiter der TSG 1862/09, steht Spielen 2020 skeptisch gegenüber

Originaltext und Bild aus den Weinheimer Nachrichten vom 17.04.2020

Weinheim. „Haben Sie zugenommen?“ Das Telefonat mit Darko Vucic fängt ja gut an. Der Weinheimer mit kroatischen Wurzeln ist ein Mann klarer Worte und hat seinen Humor auch in Corona-Zeiten nicht verloren. Fünf Kilo habe er in den vergangenen Wochen draufgepackt. „Unglaublich, oder? Und das alles, weil ich nicht mehr auf den Sportplatz gehen kann und im Homeoffice bin.“ Das Lachen ist dem Fußball-Abteilungsleiter der TSG 62/09 Weinheim noch nicht vergangen. Und das, obwohl er nicht nur bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung mit dem allgegenwärtigen Coronavirus zu tun hat. Beruflich ist er bei der Firma Roche für den weltweiten Vertrieb der Coronatests zuständig. Und mit dem Hintergrundwissen, das er da hat, blickt Vucic realistisch in die Fußballzukunft.

„Solange wir nicht wissen, dass wir Menschen nachweislich helfen können, macht die Fortsetzung der Saison oder Fußball überhaupt gerade gar keinen Sinn. Selbst wenn grünes Licht von der Politik käme und der Badische Fußballverband (BFV) wieder spielen lassen würde, muss jeder Verein für sich entscheiden, ob und wie er seine Leute schützen kann“, sagt der Mann, dessen eigene Karriere früh durch eine Verletzung ausgebremst wurde. „Ich habe selbst zwei Jungs, die in der A- und B-Jugend spielen. Will ich mich in die Gefahr begeben, dass die das Virus vom Sportplatz mit nach Hause bringen?“

Vucic betont, dass das seine eigene Meinung ist. Das siebenköpfige Abteilungsteam würde sich Ende dieser Woche kurzschließen, um sich die vom BFV erarbeiteten Szenarien zur Weiterführung oder zum Abbruch der Saison (wir haben berichtet) genauer anzuschauen. „Ich persönlich wäre im Abbruchfall für eine Annullierung der Saison, einhergehend mit einer Art Wechselverbot.“

Sollte weitergespielt werden können und will man das auch, dann würde er die Variante präferieren, spätestens Anfang Oktober zu starten und die Saison im Winter zu Ende zur bringen. Ab Januar plädiere er dann für eine Umstellung aufs Kalenderjahr. „Das funktioniert nur als deutschlandweite Regelung. Das hätte auch den Vorteil, die Spielstätte zu schonen und dass die fiskale Abrechnung eines Kalenderjahres dann parallel zur Saisonabrechnung im Fußball laufen könnte.“

Die Planungen für die kommende Runde geht die TSG 62/09 ohnehin sehr vorsichtig an. „Wir liegen im Plan. Die Spieler, die wir aus der ersten und der U23-Mannschaft halten wollen, werden wir an uns binden. Aber was machen wir mit denen, die wir nicht halten wollen? Und geht man bei Neuverpflichtungen als Verein das Risiko eines Amateurvertrags ein?“

Vucic hofft, dass der Fußball aus der Vereinskrise lernen wird. „Die bisherige Art des Wirtschaftens mit den verrückten Transfergeldern macht keinen Sinn. Ich hoffe einfach, dass wir den Sport wieder für die machen, die das Gros bilden: für uns, für die Mitglieder, für alle.“ AT