Für jedes Team völlig neue Situation

Für jedes Team völlig neue Situation

Fußballer vor der Saison: TSG 62/09 Weinheim will diesmal in der Verbandsliga nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben / Größerer Umbruch mit elf Zugängen bei 15 Abgängen / Neues Trainer-Duo

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 27.07.2020

Weinheim. „Wir wissen noch nicht, wo wir stehen“: Diese Floskel wird immer wieder gerne vor einem Saisonstart verwendet. Aber noch nie war sie so zutreffend wie vor dem Beginn der neuen Spielzeit 2020/21 bei den Amateurfußballern. Bis zum Auftakt Ende August oder Anfang September haben fast alle Mannschaften sechs Monate oder sogar noch länger kein Punktspiel mehr bestritten. Der coronabedingte Abbruch der Saison 2019/20 hat für eine noch nie da gewesene Situation gesorgt. Entsprechend groß ist allerorten die Verunsicherung, auch weil niemand vorhersagen kann, ob die anstehende Runde ohne weitere Beeinträchtigungen komplett durchgeführt werden kann.

Im Moment überwiegt allerdings die Freude, dass es zumindest möglich ist, überhaupt wieder Fußballspiele austragen zu dürfen. Das gilt auch für den Verbandsligisten TSG 62/09 Weinheim mit seinem neuen Trainerteam Seydou Sy und Jochen Ingelmann. „Es ist zunächst einfach mal toll, wieder spielen zu können“, sagt Sy, der erstmals als Cheftrainer einer Aktivenmannschaft bei der TSG 62/09 Weinheim fungiert und am Wochenende mit seinen Jungs das erste Testspiel nach viereinhalbmonatiger Pause gegen den FC Fürth bestritt (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite). Aus Sicht des 41-Jährigen, der den nach drei Jahren freiwillig aus dem Amt scheidenden Christian Schmitt beerbt, birgt die außergewöhnliche Situation vielleicht sogar etwas Positives in sich. „Alle Vereine haben ja die gleichen Verhältnisse, keiner konnte richtig trainieren oder Spiele austragen. Und eventuell kann das indirekt zu mehr Ausgeglichenheit in den Ligen führen.“

Auf jeden Fall geht Seydou Sy, der zuletzt mehrere Jahre im Nachwuchsbereich der TSG 62/09 als Trainer tätig war, seine neue Aufgabe sehr zuversichtlich an. „Wir konnten zuletzt wieder richtig gut trainieren, kein Spieler hat derzeit eine schwerere Verletzung, sodass alle Mann an Bord sind.“ Das gilt auch für den letztjährigen Mannschaftskapitän Kristijan Vidakovic, der nach mehrmonatiger Verletzungspause in der vergangenen Woche wieder schmerzfrei und mit voller Intensität ins Mannschaftstraining eingestiegen ist. Nur mit einer leichten Blessur plagt sich aktuell Noureddin Goudar. Er ist im Training umgeknickt, sollte aber sicher nicht für einen längeren Zeitraum ausfallen.

Zwar muss die Weinheimer Mannschaft diesmal einen größeren Umbruch bewältigen – elf Zugängen stehen 15 Abgänge gegenüber. Ein Problem sieht Sy darin aber keineswegs. „Im Gegenteil, viele unserer neuen Spieler sind mit den Jungs aus dem bisherigen Kader schon lange sehr gut befreundet. Das trifft vor allem auf Gaetano Giordano zu, dessen bester Freund Yannick Schneider ist. Ähnliches gilt für Malcom Darffour und Luigi Crisafulli. Und Aaron Can ist der Cousin von Jonas Can.“ Die „jungen Wilden“ Tim Wilkening, André Halblaub, Marian Veigel und Tarek Hambrecht stammen ohnehin aus Weinheim. „Und zuletzt konnten wir noch Patrick Geissinger und Tim Krohne verpflichten, die früher schon für die TSG gespielt haben. Beide sind für unsere Mannschaft ein toller Gewinn“, freut sich Sy. „Dass bei unseren neuen Spielern so viele Verbindungen nach Weinheim bestehen, wussten wir zunächst gar nicht. Wir haben bei den Zugängen vielmehr auf ihre Spielpositionen und den menschlichen Faktor geschaut. Dass alles jetzt so gut miteinander harmoniert, macht noch mehr Spaß.“ Der Trainer glaubt daher auch, dass sich seine Mannschaft in der neuen Saison in sicheren Gefilden behaupten kann.

Nachdem die TSG 62/09 in der abgebrochenen Saison den Relegationsplatz um den Klassenerhalt belegte, wird jetzt als Ziel ein einstelliger Tabellenplatz angestrebt. „Das sollte drin sein, auch wenn es derzeit überall noch sehr viele offene Fragen gibt“, sagt Sy. „Auf jeden Fall wollen wir nicht in den Abstiegskampf kommen.“ Als Favoriten sieht der TSG-Trainer den ATSV Mutschelbach, den VfR Mannheim und Fortuna Heddesheim. „Nur diese drei Vereine wären auch in der Lage, den Aufstieg in die Oberliga zu stemmen.“ bk

Kader des Verbandsligisten:

Zugänge: Patrick Geissinger, Tim Krohne (beide VfB Gartenstadt), Gaetano Giordano (VfR Mannheim), Malcom Darffour (Eintracht Wald-Michelbach), Aaron Can (TSV Wieblingen), Yannick Stoffel (ASV Fußgönnheim), Tim Wilkening (A-Junioren SG Heidelberg-Kirchheim), André Halblaub (eigene 2. Mannschaft), Marian Veigel, Tarek Hambrecht (beide eigene A-Junioren), Steven Stattmüller (reaktiviert).

Abgänge: Stefan Rapp (FV 08 Hockenheim), Deniz Yetkin (TSV Pfaffengrund), Dennis Meis (SV Gimbsheim), Dino Smajlovic (SC Rot-Weiß Rheinau), Fabrizio Romagnolo (TSV Amicitia Viernheim), Felix Barzantny, Kenta Uchida (beide SG Unter-Abtsteinach), Pascal Link (ASV Feudenheim), Muhammed Çalhanoglu, Lorik Bunjaku, Behcet Öztürk, Cem Sahin, Georgios Goulas, Nemanja Markovic, Tobias Fürste (alle Ziel unbekannt).

Kader: Tor: Johannes Halbig, Steven Stattmüller, Tarek Hambrecht, Yannick Stoffel; Abwehr: Aaron Can, Jonas Can, Kristijan Vidakovic, Luigi Crisafulli, Marko Smiljanic, Patrick Geissinger, Tolga Karlidag; Mittelfeld: Dominik Knauer, Gaetano Giordano, Marian Veigel, Noureddin Goudar, Tim Krohne, Tim Wilkening, Yannick Schneider; Angriff: André Halblaub, Malcom Darffour, Marius Schmid, Nick Huller.

Trainer: Seydou Sy; Co-Trainer: Jochen Ingelmann (beide neu); Teammanager: David de Vega; Sportlicher Leiter: Peter Laudenklos.

Saisonziel: einstelliger Tabellenplatz.

Favoriten: ATSV Mutschelbach, VfR Mannheim, Fortuna Heddesheim.