Das reifere Team setzt sich durch

Das reifere Team setzt sich durch

TSG 62/09 Weinheim muss sich in der dritten Runde des BFV-Pokals dem VfR Mannheim mit 1:4 (1:3) beugen und kann auch eine Überzahlsituation nicht nutzen

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 17.08.2020

Weinheim. Die badische Pokal-Reise der TSG 62/09 Weinheim ist zu Ende. In einem munteren Drittrunden-Derby unterlag die TSG vor heimischer Kulisse Ligakonkurrent VfR Mannheim 1:4 (1:3). Dabei lag die Elf von Neu-Trainer Seydou Sy im Sepp-Herberger-Stadion früh in Front, gestaltete lange ein Spiel auf Augenhöhe und spielte in der letzten halben Stunde sogar in Überzahl. Letztlich war der Sieg für die Quadratestädter aber nie gefährdet. Gegen eine tapfer kämpfende Elf von der Bergstraße setzte sich der VfR dank der reiferen Spielanlage verdient durch, der TSG fehlte es an Ruhe und Präzision.

Trotz der deutlichen Niederlage war Seydou Sy nach dem Abpfiff zufrieden: „Wir haben einer Mannschaft, die in der Verbandsliga um den Aufstieg spielen kann, alles abverlangt. Das spricht für die Moral meiner Jungs.“ Auch von VfR-Trainer Andreas Backmann gab es Lob. „Sie haben gezeigt, dass sie eine gute, talentierte Truppe mit viel Potenzial sind. Sie brauchen nach dem großen Umbruch genau wie wir noch etwas Zeit.“

Im Vergleich zum Zweitrundensieg über Landesligist TSV Kürnbach (2:1) veränderte Sy seine Mannschaft auf drei Positionen. Im Tor ersetzte Steven Stattmüller Johannes Halbig, Stürmer Marius Schmid und Luigi Crisafulli rückten für Can und den gelb-rot-gesperrten Karlidag in die Startformation. Vor 210 Zuschauern startete der Gastgeber bei 30 Grad zunächst nervös. Beide Abwehrreihen offenbarten in einer turbulenten Anfangsphase Schwachstellen. Nach zwölf Minuten nutzte ausgerechnet ein TSG-Duo mit Mannheimer Vergangenheit eine Unkonzentriertheit der VfR-Defensive. Sommer-Neuzugang Giordano Gaetano, der seine technische Klasse aufblitzen ließ, fing das Leder kurz vor der Mittellinie ab und spielte Winter-Neuzugang Nick Huller über 30 Meter frei. Der ließ seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung aussteigen und schloss zur 1:0-Führung ab. Beide Spieler hatten ihre Schuhe zuletzt noch für den VfR geschnürt.

Die Ex-Kollegen zeigten sich wenig beeindruckt – und erhielten Schützenhilfe von der TSG-Hintermannschaft. Nach schöner Kombination über Thau und Koep kam der Mannheimer Kapitän im Strafraum zu Fall. Den fälligen Strafstoß verwandelte Fabian Herchenhan unhaltbar. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Vorteilen für die Gäste. Nur drei Minuten nach dem Ausgleich hatten die Rasenspieler das Spiel gedreht. Eine Hereingabe legte Koep sehenswert per Kopf auf Ilhan ab, der den frei stehenden Mayer zum 1:3 bediente. Zwar erspielte sich die TSG einige Chancen, etwa als Yannick Schneider nach einen Chip-Freistoß am herauseilenden Keeper Lentz scheiterte (20.) oder der eine Doppelchance von Giordano entschärfte (22.). Insgesamt aber agierte die Sy-Elf zu hektisch im Spielaufbau und zu unpräzise im Abschluss. Während beim Gastgeber oft der Ball hinter die Kette auf Stoßstürmer Schmid das probate Mittel war, bewies der VfR eine bessere Spielanlage und Ilhan traf noch zum 1:3.

Trotz des Wirkungstreffers kam die TSG verbessert aus der Kabine. Die Rückkehr von Abwehrchef Kristijan Vidakovic nach langer Verletzungspause sorgte für mehr Sicherheit. Die TSG verlagerte das Spiel in die gegnerische Hälfte, richtig zwingend wurden die Weinheimer aber nicht. Mehr Spannung kam erst auf, als Koep nach Ellenbogeneinsatz an der Mittellinie völlig unnötig mit Gelb-Rot vom Platz flog. „Auch in Unterzahl haben wir gut verteidigt, kaum etwas zugelassen und einige Konter-Gelegenheiten“, konstatierte VfR-Coach Backmann aber richtig. Lediglich nach zwei Standards brannte es noch mal vorm Kasten: Erst parierte Lentz (69.), dann klärte Thau per Kopf auf der Linie. Dieser versetzte acht Minuten vor Schluss der TSG den Todesstoß, als er einen Abschlag von Torwart Lentz über Aygünes zum 1:4 verwertete.

Für die TSG gilt nun Konzentration auf die Liga. „Man hat gesehen, dass wir nicht um den Aufstieg spielen“, sagte Sy. Mit dem Abstieg will die TSG, die vor Saisonabbruch auf einem Relegationsplatz um den Klassenerhalt gestanden hat, aber möglichst nichts zu tun haben. ksm

TSG 62/09 Weinheim: Stattmüller; Geissinger, Goudar (80. Can), Schmid, Huller, Giordano (74. Halblaub), Schneider (C.), Krohne, Knauer, Wilkening (46. Vidakovic), Crisafulli (85. Veigel).

Tore: 1:0 Huller (12.), 1:1 Herchenhahn (14., Foulelfmeter), 1:2 Mayer (17.), 1:3 Ilhan (48.), 1:4 Thau (82.).

Besondere Vorkommnisse: Gelb-rote Karte Koep (VfR, 64.l).

Zuschauer: 210.

Beste Spieler: Vidakovic – Krämer.