Fußballer der Woche: 18-jähriges Talent will hoch hinaus

Fußballer der Woche: 18-jähriges Talent will hoch hinaus

Tim Wilkening hat bei der TSG 62/09 Weinheim einen glänzenden Einstand hingelegt / Verbandsliga soll nicht das Ende der Fahnenstange sein

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 23.09.2020

Weinheim. Ein Doppelpack in 17 Minuten. Das Ganze als Einwechselspieler im gerade mal zweiten Verbandsliga-Spiel. Für Tim Wilkening hätte es am Samstag kaum besser laufen können. Der 18-Jährige kam im Gastspiel der TSG 62/09 Weinheim beim FV Kirchfeld nach einer knappen Stunde in die Partie. Eine gute halbe Stunde später war Wilkening der Held des Tages, denn dank seiner beiden späten Treffer rettete die TSG nach einem 1:3-Rückstand noch ein 3:3.
„Beim zweiten Tor kochten die Emotionen hoch. Ich weiß noch, ich bin zur Eckfahne gesprintet, wo mich dann die Kollegen alle beglückwünscht haben“, blickt unser „Fußballer der Woche“ auf seinen zweiten Streich, der seinem Team wenigstens noch einen Zähler sicherte. Trotz seines tollen Auftritts hatte das Ganze für Weinheims Jungspund einen Haken. „Schöner wäre es gewesen, wenn wir das Spiel 4:3 gewonnen hätten – die Chancen dazu waren da“, ärgerte sich Wilkening sogar ein bisschen über eine verpasste Gelegenheit, den schwachen Saisonstart mit dem 0:4 bei Fortuna Heddesheim vollends vergessen zu machen. Wilkening war zum Auftakt noch nicht mit dabei. Danach gab er beim 2:1-Heimerfolg gegen den 1. FC Mühlhausen sein Debüt als Einwechselspieler. Jetzt folgte mit dem Doppelpack gegen Kirchfeld der vorläufige Höhepunkt seiner bisher kurzen Zeit als Aktiver.
In der Vorsaison spielte er noch für die A-Jugend der SG Heidelberg-Kirchheim. Eigentlich ist Wilkening aber Weinheimer durch und durch. Seine Eltern stammen zwar aus Berlin, er selbst ist aber in Weinheim geboren und hat seine ganze Jugend über für die TSG gespielt – bis auf die erwähnte Ausnahme. „Im letzten A-Jugend-Jahr bin ich zur SG Kirchheim gewechselt, um dort in der Oberliga zu spielen“, verrät Wilkening. Vor der Runde kam es nun zur Rückkehr nach Weinheim, wo Wilkening die nächsten Schritte in seiner Entwicklung machen möchte.
Die soll ihn im Idealfall noch ganz nach oben bringen. „Mein großer Traum ist es nach wie vor, Fußball-Profi zu werden“, betont der 18-Jährige. „Viele werden sagen, dass der Zug dorthin schon abgefahren ist. Aber es gibt genug Beispiele, die es dann vielleicht mit 21 Jahren noch geschafft haben.“ Bis dahin möchte er sich bei der TSG weiter aufdrängen, wobei sein Trainer bestens wissen wird, was er an Wilkening hat. Denn Seydou Sy war bereits in der B- und A-Jugend sein Trainer. „Das ist natürlich ein Vorteil, dass er mich gut kennt“, sagt Wilkening. Ob er nach seinem Doppelpack im nächsten Spiel gegen den makellosen Tabellendritten SV Spielberg erstmals in der Startelf auftauchen wird, könne er nicht sagen. „Ich arbeite daran, aber das entscheidet der Trainer.“
Ein anderes großes Zwischenziel hat Wilkening abseits des Fußballplatzes derweil erreicht. „Ich habe dieses Jahr mein Corona-Abi gemacht“, erzählt der Basketball- und American-Football-Fan. „Das war keine einfache Zeit. Das Zusammensein mit den Klassenkameraden hat gefehlt. Mir fiel es manchmal schwer, mich selbst zu motivieren. Ohne irgendeine Ablenkung, ohne Fußball – aber es hat dann doch geklappt“, blickt Wilkening kurz zurück. Ansonsten geht sein Blick nach vorne, hin zu neuen Zielen, sowohl fußballerisch wie auch sonst. Möglicherweise zählt dazu der Beginn eines Studiums im kommenden Jahr. Und möglicherweise hat Wilkening bis dahin bereits viele weitere Glanzauftritte im TSG-Dress hingelegt. dbe