Das ist nicht tauglich für die Verbandsliga

TSG 62/09 Weinheim erlebt in der zweiten Halbzeit ein Debakel und kassiert beim 1:7 (1:2) gegen SV Spielberg die höchste Heimniederlage seit dem Bestehen

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 28.09.2020

Weinheim. An einem grauen Herbsttag erlebte die TSG 62/09 Weinheim ein Fiasko historischen Ausmaßes. Nach einer desolaten Vorstellung der kompletten Mannschaft in der zweiten Halbzeit bezogen die Gastgeber am Samstag im Sepp-Herberger-Stadion eine 1:7-(1:2)-Klatsche in der Fußball-Verbandsliga gegen den SV Spielberg. Seit dem Bestehen der Abteilung im Jahr 1998 gab es nie eine höhere Niederlage.
In der Oberliga-Abstiegssaison 2010/11 kassierten die Weinheimer auswärts einmal ein 0:6. Doch im heimischen Stadion ist eine solche Pleite einzigartig. Während Spielberg durch den Kantersieg die Tabellenführung übernahm, muss man sich um den Zustand der TSG-Mannschaft vor den beiden anstehenden Partien Sorgen machen. Schließlich bekommen es die Weinheimer nun mit dem Tabellenvierten und -fünften, SV Waldhof II und VfB Eppingen, zu tun.
Nach dem Debakel gegen Spielberg fiel die ansonsten übliche Aussprache zwischen Trainer und Mannschaft auf dem Platz aus. Während fast alle TSG-Spieler schnurstracks den Weg in die Kabine einschlugen, saß ein konsternierter Trainer Seydou Sy auch zehn Minuten nach dem Schlusspfiff immer noch fassungslos auf seiner Bank – solch eine Vorstellung zu verkraften und innerlich zu verarbeiten, ist wahrlich alles andere als einfach.
Dabei deutete in den ersten 45 Minuten überhaupt nichts auf einen derart dramatischen Misserfolg hin. Bis zum Seitenwechsel warteten die Weinheimer gegen einen der Titelfavoriten in dieser Saison durchaus mit einer sehr ordentlichen und respektablen Leistung auf. Mit engagiertem Pressing und einem konsequent frühen Stören machte es die TSG-Mannschaft den erfahrenen Gästen zunächst schwer, ihr Spiel aufzuziehen. Nur einmal sorgte Alexander Schoch für etwas Gefahr, aber TSG-Torhüter Steven Stattmüller war zur Stelle (6.). Auf der Gegenseite leitete Gaetano Giordano mit einem klugen Pass in die Spitze die erste Chance der Weinheimer ein. Den Schlenzer von Nick Huller wehrte SVS-Torwart Mathias Moritz gerade noch mit den Fingerspitzen ab, die Nachschussmöglichkeit verpasste Tim Wilkening (17.).
Als die TSG erneut in der Vorwärtsbewegung war, schlug Spielberg das erste Mal zu. Eine genaue Flanke von Claudio Ritter verwertete SVS-Torjäger Fabian Geckle per Kopfball zum 0:1 (21.). Noch fand Weinheim die passende Antwort. Giordano scheiterte nach einer beherzten Aktion an Schlussmann Moritz, aber Nick Huller nutzte den Abpraller zum 1:1 (29.).
Die TSG machte dem Favoriten weiterhin das Leben schwer. Schade deshalb, dass es nicht mit einem Unentschieden in die Pause ging. Bei einer Ecke der Gäste brachten die Weinheimer den Ball nicht konsequent aus der Gefahrenzone. Eine Volleyabnahme von Ritter parierte Stattmüller zunächst großartig zur nächsten Ecke. Als diese hereinkam, stimmte erstmals die Zuordnung in der TSG-Verteidigung nicht – und ein Kopfball von SVS-Kapitän Stefan Müller zappelte zum 1:2 in den Maschen (40.).
Noch schien aber nichts verloren, dachten die meisten der rund 110 Zuschauer im Sepp-Herberger-Stadion. Da ahnte noch keiner, was die zweite Halbzeit bringen sollte.
Spielberg startete sichtlich bissiger und wollte offenbar schnell für klare Verhältnisse sorgen. Nach einer ersten Chance für Geckle (47.) markierte David Veith mit einer kurzen Täuschung und einem satten Flachschuss das 1:3 (50.). Das entzog den Weinheimern scheinbar jegliche Energie. Die TSG-Spieler kamen nun immer einen Schritt zu spät, fanden auch nicht mehr in die Zweikämpfe. Das nutzte Spielberg gnadenlos aus. Chancen für Geckle (52.) und Veith (59.) folgte das 1:4 abermals durch Geckle, der an der Strafraumgrenze einfach trocken aus dem Fußgelenk abzog (62.).
Nun nahm das Debakel vollends seinen Lauf. Nach dem 1:5 durch Ritter (71.) platzte TSG-Trainer Sy erstmals richtig der Kragen. Das 1:6 des gerade eingewechselten Paulo Ursino Lima (76.) und das 1:7 durch einen von Ritter verwandelten Foulelfmeter kassierte die TSG ohne Ansatz von Gegenwehr – krass! bk

TSG 62/09 Weinheim: Stattmüller; A. Can (88. Veigel), Geissinger, Karlidag, Smiljanic, Crisafulli (66. Goudar), Wilkening (66. J. Can), Schneider, Krohne, Giordano (90. Wittmann), Huller.

Tore: 0:1 Geckle (21.), 1:1 Huller (29.), 1:2 Müller (40.), 1:3 Veith (50.), 1:4 Geckle (62.), 1:5 Ritter (71.), 1:6 Ursino Lima (76.), 1:7 Ritter (82., Foulelfmeter).

Beste Spieler: Fehlanzeige – Geckle, Ritter, Veith.

Zuschauer: 110.

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