Insgesamt fünf Rücktritte

Insgesamt fünf Rücktritte

Abteilungsleiter Darko Vucic ist bei der TSG 62/09 Weinheim zurückgetreten / Nachfolge soll zunächst interimsweise geregelt werden / Zwei Zugänge stehen fest

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 14.04.2021

Die Gräben sind zu tief geworden

Es hatte sich schon eine Weile angebahnt: Die Fußball-Abteilung der TSG 62/09 Weinheim wird sich neu aufstellen. Aber erst am Dienstag bestätigte der Verein in einer von Geschäftsführer Alexander Erg unterzeichneten Stellungnahme, was schon seit geraumer Zeit für viel Gesprächsstoff in der hiesigen Fußballszene gesorgt hatte. In Folge der Vorkommnisse um die Kündigung von Trainer Seydou Sy hat Abteilungsleiter Darko Vucic seinen Rücktritt eingereicht.

In der Pressemitteilung heißt es dazu: „Wegen Differenzen zwischen Teilen der Abteilungsleitung und dem Hauptverein hinsichtlich der Bewältigung der neuen Saison, welche auch durch zahlreiche Gespräche nicht aufgelöst werden konnten, haben Teile des Führungsteams der Abteilung ihren Rücktritt erklärt. Die Vereinsführung bedauert dies außerordentlich und möchte an dieser Stelle nochmals allen Mitwirkenden für die großen Erfolge und die gute Zusammenarbeit in den zurückliegenden Jahren danken.“
Diejenigen, die neben Vucic noch aus der Abteilungsleitung zurückgetreten sind, wollte Erg auf Nachfrage nicht nennen. Das Ganze sei schließlich noch nicht fix. „Wir werden mit dem einen oder anderen in den nächsten Tagen noch Gespräche führen“, deutete Erg im Telefonat an, dass es durchaus Rücktritte vom Rücktritt geben könnte.

Darko Vucic selbst wurde am Telefon konkreter: Außer ihm hätten auch noch Jugendleiter Thorsten Fandel, der technische Leiter Markus Sittardt, Kassenwart Thomas Elsässer und Rüdiger Holz, zuständig für Gastronomie und Veranstaltungen, ihren Rücktritt eingereicht. „Ich habe fünf Jahre, neun Monate und sieben Tage alles für die Abteilung und den Fußball in Weinheim gegeben“, sagte Vucic. „Aber irgendwann war ein Punkt erreicht, wo ich das Gefühl hatte, meine Arbeit macht keinen Sinn mehr“, begründete Vucic seinen Rücktritt. „Das Vertrauen war nicht mehr da, und die konzeptionelle Ausrichtung zwischen Verein und Abteilung hat nicht mehr übereingestimmt. Der Verein hat sich in innere Angelegenheiten der Abteilung eingemischt, da wollte ich nicht mehr weitermachen.“
Auch zur Nachfolgefrage an der Abteilungsspitze blieb die schriftliche TSG-Stellungnahme bislang noch vage: „Für die weitere Organisation innerhalb der gesamten Abteilung wird kurzfristig eine Interimslösung gesucht, um dann, sobald dies möglich sein wird, eine Abteilungsversammlung mit Neuwahlen durchzuführen.“ Vereinsvorsitzender Volker Jacob wollte sich am Telefon ebenfalls nicht näher äußern und verwies an Geschäftsführer Alexander Erg. „Ich kann zu Details in Abteilungen nichts sagen“, erklärte Jacob. „Unser Verein hat 17 Wettkampf-Abteilungen, ich muss mich derzeit um ganz andere Probleme und Sorgen kümmern.“ So seien beim Großverein etwa viele hauptamtliche Mitarbeiter in Pandemie-Zeiten von Kurzarbeit betroffen.

Kein Wort zur Trainerentlassung

Jacob und Erg wollten auch nicht mehr auf die Kündigung von Seydou Sy eingehen. „Wir haben uns vor dem Arbeitsgericht auf einen Vergleich geeinigt und mit dem Richter vereinbart, dass wir über dieses Thema nicht mehr reden werden. Daran halten wir uns“, sagte Jacob. Erg formulierte es in schriftlicher Form ähnlich: „Soweit Sie erneut Fragen zum Ausscheiden unseres ehemaligen Trainers haben, bitte ich um Verständnis, dass wir uns zu arbeitsrechtlichen Angelegenheiten und insbesondere dem Verfahren vor dem Arbeitsgericht Mannheim nicht äußern können, da dies in dem dort abgeschlossenen Vergleich ausdrücklich so geregelt wurde. Die TSG wird sich wie immer an solche Vereinbarungen halten und daher keine arbeitsrechtlichen Interna nach außen geben.“

Ferner wird in der Stellungnahme des Vereins ein recht allgemeiner Blick zurück und nach vorne geworfen: „Die Fußball-Abteilung 62/09 der TSG 1862 Weinheim muss, wie viele andere Sportvereine auch, mit der Corona-Pandemie kämpfen und ist erleichtert, dass auch der Badische Fußballverband die Runde für die Saison 2020/21 abgesagt hat. Die Pandemie hat die bereits zuvor begonnenen Bemühungen zur Konsolidierung der Fußball-Abteilung verstärkt, sie wurden sowohl seitens der Verantwortlichen der Fußball-Abteilung als auch des Hauptvereins stetig vorangetrieben. Die Fußball-Abteilung und der geschäftsführende Vorstand sind sich in der sportlichen Ausrichtung für die kommende Saison einig, mit ihrer ersten Mannschaft in der Verbandsliga zu spielen, daneben muss der Schwerpunkt vor allem auf der soliden Nachwuchsarbeit im Fußball liegen. Dies muss während und nach der Pandemie trotz der hierdurch erforderlich gewordenen notwendigen Einsparungen in allen Bereichen möglich sein.“

Klar ist, dass die TSG 62/09 für die kommende Saison 2021/22 den bisherigen Interimstrainer und Co-Trainer unter Seydou Sy, Jochen Ingelmann, zum neuen Cheftrainer der ersten Mannschaft ernannt hat. Ingelmann führt zusammen mit Teammanager David de Vega derzeit auch die entsprechenden Gespräche. Und die laufen mit dem aktuellen Kader recht erfolgreich.

Zwölf bleiben, zwei kommen dazu

Zwei Torhüter – Johannes Halbig und Tarek Hambrecht – sowie zehn Feldspieler aus der abgebrochenen Spielzeit 2020/21 haben bereits für die kommende Runde zugesagt, weitere könnten noch folgen. Als Feldspieler werden der spielende Co-Trainer Kristijan Vidakovic, Patrick Geissinger, Marko Smiljanic, Dominik Knauer, Luigi Crisafulli, Yannick Schneider, Gaetano Giordano, Tim Krohne, Nick Huller und Tim Wilkening bei der TSG 62/09 bleiben. Das trifft auch auf Matthias Kuhn zu, sofern er nicht erneut studienbedingt in die USA gehen wird.

Darüber hinaus haben die Weinheimer bisher zwei sichere Zugänge zu vermelden. Beides sind Rückkehrer mit TSG-Vergangenheit: Von den Verbandsliga-Konkurrenten Fortuna Heddesheim und VfR Mannheim schließen sich Gregor Zimmermann und David Keller wieder den Weinheimern an. Weitere Gespräche laufen noch. bk