Die Mentalität gibt den Ausschlag

Die Mentalität gibt den Ausschlag

TSG 62/09 Weinheim ringt den FC Olympia Kirrlach in einem intensiven Spiel mit 3:2 (1:0) nieder / Starke Reaktion nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 25.10.2021

Weinheim. Direkt nach dem Schlusspfiff fielen die Reaktionen bei den Fußballern der TSG 62/09 Weinheim auf dem Platz noch eher verhalten aus. In diesem Moment fehlte schlicht die Kraft, um einen hart erkämpften 3:2-(1:0)-Heimsieg bereits gebührend zu bejubeln. Die intensive Verbandsliga-Partie gegen den FC Olympia Kirrlach hatte allen Beteiligten offensichtlich viel Substanz gekostet. So herrschte bei den Gastgebern zunächst zwar Erleichterung und Zufriedenheit, als ihnen drei eminent wichtige Punkte nicht mehr zu nehmen waren. Bis die ausgelaugten Weinheimer Spieler ihre Freude aber auch nach außen transportieren konnten, dauerte es noch gut zehn Minuten. Dann aber schallten die Jubelgesänge umso lautstarker aus der TSG-Kabine.

„Die Mannschaft hat wirklich alles gegeben“, brachte es TSG-Teammanager David de Vega auf den Punkt. Das Fundament für ihren vierten Sieg im fünften Saisonheimspiel legten die Weinheimer mit einem perfekten Start und einer eindrucksvollen Antwort auf den zwischenzeitlich hochverdienten Ausgleich der Kirrlacher. Mit dem ersten Angriff der Partie ging die TSG nach nur 75 Sekunden durch Ole Gärtner in Führung. In einer fortan offenen Partie drückte der FC Olympia vor allem nach dem Seitenwechsel vehement auf den Ausgleich und wurde mit dem 1:1 von Marius Ockert auch belohnt (61.). Als das Spiel zu kippen drohte, offenbarten die Gastgeber eine beispielhafte Mentalität. Innerhalb von nur drei Minuten stellte die TSG mit Toren von Nick Huller (66.) und Yannick Schneider (68.) die Weichen zum 3:1. Der Anschlusstreffer durch Lars Heinz kam letztlich zu spät (90.).

Der schlechte Zustand des Hauptrasenplatzes hatte den Verbandsligisten aus der Zweiburgenstadt veranlasst, das Heimspiel am Samstag auf den kleineren Kunstrasenplatz im Sepp-Herberger-Stadion zu verlegen. Dort verfolgten rund 110 Zuschauer von Beginn an einen engagierten Auftritt beider Mannschaften, die sich mit hoher Laufbereitschaft und großem Zweikampfwillen gegenseitig kaum einmal die Zeit zum Durchatmen gönnten. War ein Spieler im Ballbesitz, stand ihm praktisch schon ein Gegner auf den Füßen. Direkte Kombinationen bildeten den einzigen Ausweg, wobei allerdings beide Teams im spielerischen Bereich auch Defizite hatten.

So lebte die Begegnung vor allem vom kämpferischen Einsatz und der Spannung. „Nach Ballgewinnen haben wir es oft nicht gut ausgespielt“, ließ TSG-Trainer Jochen Ingelmann trotz des Erfolgs auch Kritik anklingen. „Aber als Kirrlach mit sehr viel Wucht in die zweite Halbzeit gestartet ist, haben wir nach dem Ausgleich eine hervorragende Reaktion und endlich auch einmal Effektivität im Abschluss gezeigt. Es war über weite Phasen ein 50:50-Spiel, wobei wir vor der Pause aber auch schon das 2:0 hätten nachlegen können.“

Nach dem Weinheimer Traumstart gab es eine erste Schrecksekunde, als Torschütze Ole Gärtner nach einem Schlag auf den Knöchel früh ausgewechselt werden musste (18.). Als Kirrlach das Tempo forcierte, hielt die TSG-Defensive dem Druck stand. Insbesondere Dominik Knauer, der als Innenverteidiger wieder neben Patrick Geissinger zum Einsatz kam, lieferte als Abräumer eine bärenstarke Leistung ab. Und dass Trainer Ingelmann im Mittelfeld zur bewährten „Doppelsechs“ mit den sehr präsenten Yannick Schneider und David Keller zurückkehrte, zahlte sich ebenfalls aus. Vor dem Seitenwechsel wurde es nochmals turbulent. Zunächst vermochte es der Kirrlacher Ockert nicht, einen zu weiten Ausflug von TSG-Torhüter Johannes Halbig aus seinem Strafraum auszunutzen (39.). Im direkten Gegenzug scheiterte Huller zweimal am gut reagierenden FCO-Schlussmann Tim Riehl. Der entschärfte nach der anschließenden Ecke auch einen gefährlichen Heber von Gaetano Giordano. Glück hatte die TSG wiederum unmittelbar vor dem Pausenpfiff, als der bisher dahin abgemeldete FCO-Torjäger Patrick Roedling den Ball an den Pfosten setzte.

In der zweiten Halbzeit dominiert Kirrlach die erste Viertelstunde eindeutig, hatte unter anderem durch den Ex-Weinheimer Abdullah Köse eine Riesenchance zum Ausgleich (48.). Nur einmal sorgte die TSG für Entlastung, als Huller allerdings aus Abseitsposition einen Schuss von dem als Rechtsverteidiger überzeugenden Kapitän Tim Krohne ins Kirrlacher Tor abfälschte (60.). Im direkten Gegenzug erzielte Ockert auf Vorarbeit von Köse das absolut gerechte 1:1 (61.). In die Drangphase der Gäste hinein schlugen aber Huller mit dem 2:1 und Schneider mit einem energischen Antritt und einem platzierten 17-Meter-Flachschuss zum 3:1 zu. Erst in der Schlussminute kam der FCO nach einem Fehler von Halbig zum 3:2. Einen Vorwurf wollte Trainer Ingelmann seinem Torhüter aber nicht machen. „Johannes hat uns schon viele Dinger und damit Punkte festgehalten. Da ist ihm auch einmal ein Fehler zu verzeihen.“ Zumal es nichts daran änderte, dass sich Weinheim nach tollem Kampf über drei Punkte freuen durfte. bk

TSG 62/09 Weinheim: Halbig; Krohne, Geissinger, Knauer, Smiljanic, Keller (89. Goudar), Schneider, Giordano (87. Wilkening), Zimmermann, Gärtner (18. Crisafulli), Huller (82. Hoock).

Tore: 1:0 Gärtner (2.), 1:1 Ockert (61.), 2:1 Huller (66.), 3:1 Schneider (68.), 3:2 Heinz (90.).

Beste Spieler: Knauer, Schneider, Keller – Ockert.

Zuschauer: 110.

Bilder zum Spiel:https://www.tsg6209weinheim.de/leistungsmannschaften/1-mannschaft/bildergalerie-1-mannschaft/