Spielbericht 1. Mannschaft: Weinheim macht den nächsten Schritt  

Verbandsliga (11. Spieltag 24.10.2026) Gegen Aufsteiger VfR Mannheim II feiert die TSG 1862/09 unter dem neuen Trainer Ever Kassel den zweiten Sieg in Folge und meldet sich im Abstiegskampf zurück.


TSG 1862/09 Weinheim – VfR Mannheim II 3:2 (2:1)

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 26.10.2026
Von Nicolai Lehnort

Weinheim. Als der erste Heimsieg der Saison in der Fußball-Verbandsliga am Samstagnachmittag unter Dach und Fach war, konnte sich Ever Kassel kaum vor Glückwünschen retten. Nach dem 3:2 (2:1)-Erfolg über Spitzenteam VfR Mannheim II wurde der neue Trainer der TSG 1862/09 Weinheim von einer Traube junger Spieler umringt, quatschte, feixte, trug ein Lächeln, das breiter kaum sein konnte. „Es waren etliche meiner früheren Spieler aus A-, B- und C-Jugend hier und das macht mich unheimlich stolz“, berichtete Kassel, dessen ehemalige Jungs auf der Tribüne fast die Hälfte der 81 Zuschauer im Sepp-Herberger-Stadion stellten. Sein erster Auftritt im Stadion als neuer Cheftrainer war wie ein großes Nachhausekommen für den langjährigen Jugendcoach. „Hier als Trainer der ersten Mannschaft zu stehen, davon habe ich immer geträumt.“ Zwei Siegen aus seinen ersten drei Spielen waren dem 36-jährigen Nachfolger von Marcel Hofbauer wohl ebenfalls in seinen Nächten begegnet. War beim ersten Saisonsieg beim SV Waldhof Mannheim II mit einem spät parierten Elfmeter noch ordentlich Glück dabei, ging Weinheim gegen den Tabellendritten diesmal als verdienter Sieger vom Platz. Gegen den mit Fünferkette tief verteidigenden Block der Hausherren fand der VfR, der mit drei Regionalliga-Spielern angetreten war, kaum Mittel. In der zu dünnen Restverteidigung dagegen überließen die Gäste den über Außen immer wieder schnell umschaltenden Weinheimern große Räume. „Wir wussten ganz genau, was auf uns zukommt und der Matchplan ist perfekt aufgegangen“, freute sich Kassel, dass sein Ansatz so schnell Früchte trägt und sparte nicht mit Lob. „Gegen den Ball war es brutal gut und unsere Umschaltmomente tun jedem Gegner weh. Das haben wir überragend gemacht.“ Die erste Unaufmerksamkeit in der TSG-Defensive nutzte der Aufsteiger nach feinem Steck- und folgendem Querpass zwar gleich aus und ging durch Ilias Soultani früh in Führung (19.), doch durch eine mit der Hand geblockte Hereingabe und den folgenden von Ismet Kartal verwandelten Strafstoß glich die TSG nur drei Minuten später aus. Der Führungstreffer der Blau-Weißen war dann die Blaupause für den Matchplan: Die starken Jeremy Kasango und Milad Hussaini schalteten über rechts schnell um, Letzterer fand nach einem Querpass durch den VfR-Strafraum Lias Kühne am langen Pfosten, der nach 37 Minuten nur noch einzuschieben brauchte. Spätestens da war die Kassel-Elf angezündet, feierte jeden gewonnenen Zweikampf wie einen Torerfolg.

„Weinheim wollte es mehr“

„Mit Ever kam mehr Feuer rein“, beschrieb Kapitän Niklas Schneider den Unterschied zu dessen Vorgänger, der auch das lautstarke und aktive Coaching an der Seitenlinie praktiziert und kaum auf der Bank Platz nimmt. Es war auch der Unterschied zu den Gästen, die die Partie bei einem Abstiegskandidaten wohl zu sehr auf die leichte Schulter nahmen, wie VfR-Trainer Serif Gürsoy zugeben musste. „Weinheim wollte es einfach mehr, kämpferisch und läuferisch haben wir nicht dagegengehalten.“ Finn Hoffmann, dessen Versuch im ersten Durchgang noch stark pariert worden war, traf zehn Minuten nach Wiederanpfiff per Kopf nach einem Freistoß zum 3:1 (55.), machte sich die Vorentscheidung aber selbst wieder zunichte: Nur neun Minuten später fällte er den Gegner im eigenen Strafraum nach einem Ballverlust – Soultani traf mit seinem zweiten Tor des Tages vom Punkt zum Anschluss. Davon ließen die sich weiter wacker verteidigenden Weinheimer aber genauso wenig aus der Ruhe bringen wie von der siebenminütigen Unterbrechung kurz vor Schluss, als Schiedsrichterin Franziska Vögele verletzungsbedingt durch ihren Assistenten ersetzt werden musste. Während Mannheim in Summe nie zwingend genug wurde, hätte die TSG das Ergebnis gar noch höher gestalten können, hätte sie ihre Konter konsequenter ausgespielt. Mit jetzt sieben Punkten sendet Weinheim damit das nächste Lebenszeichen im Abstiegskampf. Geht es so weiter, werden einige der Gratulanten von Samstag es Mittelfeldmann Mustafa Sihlaroglu wohl gleichtun – und ihrem ehemaligen Jugendtrainer künftig nicht mehr nur als Gratulanten im Sepp-Herberger-Stadion begegnen.


TSG 1862/09 Weinheim: Baumann – Berger, Schneider (72. Mucha), Kasango (72. Gervalla), Hoffmann, Hussaini (72. Shala), Hertel (56. Schmitt),
Langer, Kühne (90.+2 Marchitto), Sihlaroglu, Kartal.

Tore:  0:1 Soultani (19.), 1:1 Kartal (22., Handelfmeter), 2:1 Kühne (37.), 3:1 Hoffmann (56.), 3:2 Soultani (66., Foulelfmeter).

Zuschauer: 81

 

 

 


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