Spielbericht 1. Mannschaft: TSG 62/09 steckt ganz unten fest  

Verbandsliga (09. Spieltag 10.10.2026) Weinheim fehlt auch im Abstiegsspiel gegen Durlach-Aue die Durchschlagskraft. Talent und Wille allein reichen nicht. 


TSG 1862/09 Weinheim – Spvgg Durlach-Aue 0:3 (0:1)

Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom12.10.2026
von Anja Treiber

WEINHEIM. Kurz nach dem Schlusspfiff saßen Rahman Jawadi, Adrien Awana und Co. vor dem Ben Harder-Pavillon bei einer Bratwurst in der herbstlichen Sonne des Sepp-Herberger-Stadions und resümierten den fußballerischen Nachmittag. Gerade hatte die TSG 1862/09 Weinheim auch das Kellerduell in der Verbandsliga gegen den vorletzten Spvgg Durlach-Aue mit 0:3 (0:1) verloren. „Immerhin hatten wir heute einen Spielaufbau, aber vorne war halt trotzdem Schluss.“ Die Blicke des Sextetts gingen ins Leere, während aus der Kabine schon wieder dröhnende Bässe zu hören waren. Es muss ja weitergehen. Irgendwie. Während die Gäste nach ihrem zweiten Verbandsliga-Sieg den Sprung auf den drittletzten und damit den Relegationsplatz schafften, bleibt dei TSG 1862/09 Weinheim auch im neunten Saisonspiel ohne Sieg. Ein Punkt steht zu Buche, das Torverhältnis von 9:29 Gegentreffern unterstreicht die aktuelle Verbandsligauntauglichkeit. Zum rettenden Ufer sind es an diesem Samstagnachmittag schon acht Zähler, doch es ist müßig, sich mit tabellarischen Rechenspielen zu beschäftigen, wenn das Runde einfach nicht ins Eckige will. „Wir arbeiten weiter daran“, sagt auch René Uhrig, seit 2021 „Last Man Standing“ im heftig durchgeschüttelten Trainerteam. „Es wäre schlimmer, wenn wir sehen würden, dass die Jungs nicht wollen. Aber sie zeigen ja Wille und Biss. Und irgendwann werden sie dafür auch wieder belohnt.“ Dieses irgendwann sollte sich nur möglichst bald einstellen. Nicht so sehr in Bezug auf die Mission Verbandsligaverbleib, die schon bevor die Saison angefangen hatte, ein ambitioniertes Ziel war. Die Mannschaft besteht aus wenigen Spielern mit Erfahrung und einem Gros an jungen Talenten, das die ganze Härte des Erwachsenenfußballs jetzt zu spüren bekommt. „Es ist halt was anderes, ob du versuchst gegen einen gleichaltrigen Innenverteidiger durchzukommen, oder gegen einen Kasten“, sagt Uhrig. Einen dieser Kästen konnte Weinheim in die eigenen Reihen lotsen. Adrien Awana verpasst der TSG-Defensive in seinem zweiten Spiel deutlich mehr Körperlichkeit, rückte in der zweiten Hälfte dann auch weiter vor auf die Doppelsechs und setzte Akzente im Spiel nach vorne. Aber vorne, da geht aktuell nichts. Ismet Kartal zeigt noch die besten Ansätze, ist brutal bemüht, Lias Kühne wirkt zu unentschlossen, Milad Hussainis Abschlüsse wirken nicht und auch Rahman Jawadi trifft den Ball nicht richtig. Die Durlacher machen es besser, freuen sich schon nach acht Minuten über das 0:1, als Janne Schmitt im Zweikampf gegen Noah Walenta wegrutscht und die TSG-Defensive den Ball dann nicht mehr aus dem Strafraum bekommt. Erst geht der Ball an den Pfosten, dann staubt Daniel Koch ab. „Die Gegentore fallen zu einfach, gerade weil wir schon spielbestimmend waren. Wir haben es heute mal versucht mit einer ersten Idee. Und das war eigentlich ganz gut, dafür dass wir erst zwei Trainingseinheiten hatten“, sagt der neue Cheftrainer Ever Kassel.

Immer falsche Entscheidungen

Am Mittwoch wurde der ehemalige TSG-A-Jugend-Coach aus dem Nachwuchsleistungszentrum des SV Sandhausen zurück an die Bergstraße geholt. „Das ist jetzt erst mal einen Kennenlernen, nach ein paar mehr Trainingseinheiten weiß ich auch mehr. Bis zur Box sah es schon gut aus, aber im letzten Drittel treffen wir dann eigentlich durchgehend die falschen Entscheidungen. “Es ist die alte Leier, die schon sein Vorgänger Marcel Hofbauer anstimmen musste. Der Einsatz stimmt, aber um in der Herren-Verbandsliga zu punkten, braucht es mehr als Talent. Da muss jeder Akteur über seine Grenzen gehen. Dass die Durlacher dann nach der Pause bei den immer höher aufrückenden Weinheimern mit zwei Kontern nach verlorenem Laufduell und Ballverlust im Aufbauspiel dann noch das 0:2 und 0:3 jeweils durch Leon Kupferer in der 74. und 84. Minute erzielen, lässt das Ergebnis trotz überlegenen Durlacher Anfangsminuten deutlicher aussehen, als es sich vor den 60 Zuschauern auf dem Kunstrasen tatsächlich zeigte. Unterm Strich steht die achte Niederlage in einer Partie, die im Klassenkampf gewonnen werden muss. Aber womöglich muss das Ziel ein anderes werden: Resilienz aufbauen und aus dieser schwere Saison unbeschadet herauszukommen. Jetzt geht es im nächsten Spiel zur U21 des SV Waldhof, einer Mannschaft, die von der Altersstruktur ähnlich aufgestellt sein wird wie Weinheim. „Es geht immer weiter. Auch wenn wir heute ein Spiel verloren haben, das zu den Muss-Kategorien gehört“, sagt René Uhrig aus dem Weinheimer Trainerteam. „Die letzten Jahre waren wir immer vorne dabei. Solche Situationen wie jetzt gehören eben auch zum Fußball.“ Schließlich war der Verjüngungsprozess für den Verein alternativlos. Jetzt die Ruhe zu bewahren und weiter Geduld zu zeigen, das ist das Credo der Stunde und das immerwährende Mantra einer Hinrunde, die noch sehr lang werden kann.


TSG Weinheim: Baumann: Berger, Schmitt, Schneider (46. Hoffmann), Hussaini, Hertel (59. Marchitto), Jawadi (54. Shala), Awana, Langer (74. Miftari), Kühne (46. Gervalla), Kartal.

Tore: 0:1 Koch (8.), 0:2 Kupferer (74.), 0:3 Walenta (85.)


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